Shopify · 20. September 2026 · 21 Min. Lesezeit
Shopify-Migration: Der komplette Leitfaden für den Wechsel zu Shopify
Shopify-Migration ohne Blindflug: welche Systeme wie umziehen, was mitkommt, wo die Fallstricke liegen und wie Kunden, Bestellungen und Rankings ankommen.
von Dominic Spernath
Eine Shopify-Migration ist der geplante Umzug deines bestehenden Onlineshops von Shopware, WooCommerce, JTL-Shop, Magento oder einem anderen System zu Shopify, mit Produkten, Kunden, Inhalten, Bestellhistorie und deiner Sichtbarkeit bei Google. Der Wechsel ist Handwerk, kein Wagnis, solange drei Dinge stimmen: Du kennst das Shopify-Datenmodell, bevor du exportierst. Du planst Kunden, Bestellungen und Weiterleitungen als eigene Arbeitspakete statt als Nebensache. Und dein alter Shop verkauft weiter, bis der neue vollständig geprüft ist.
Dieser Leitfaden ist die Landkarte für den ganzen Weg. Er beantwortet die Fragen, die uns Händler im Erstgespräch stellen, in der Reihenfolge, in der sie im Projekt auftauchen: Lohnt sich Shopify für mich? Was kommt aus meinem System überhaupt mit? Wie läuft der Umzug ab, was passiert mit Kunden, Bestellungen und Rankings, was wird aus Warenwirtschaft, Zahlungsarten und Rechtstexten, und wie sieht der Umschalttag aus? Zu jedem großen Thema gibt es einen eigenen, vertiefenden Beitrag, den du an der passenden Stelle verlinkt findest. Die plattformneutrale Sicht auf Migrationen im Allgemeinen steht in unserem großen Leitfaden zur Shop-Migration; hier geht es um das, was am Ziel Shopify besonders ist.
Was ist eine Shopify-Migration und was ist sie nicht?
Eine Shopify-Migration ist der Wechsel des technischen Fundaments, nicht nur des Aussehens. Dein Sortiment, deine Kunden und deine Marke bleiben, aber das System darunter wird ausgetauscht, und mit ihm die Art, wie Produkte, Kategorien und Inhalte gespeichert werden. Genau daraus entsteht der Aufwand: Nicht das Kopieren der Daten ist die Arbeit, sondern das Übersetzen in eine andere Logik.
Drei Dinge werden im Alltag gern mit einer Migration verwechselt. Ein Redesign gibt deinem bestehenden Shop ein neues Gesicht, das System bleibt. Ein Neuaufbau startet mit leerem Shopify-Shop und legt Produkte frisch an, ohne Altdaten und ohne Weiterleitungen, was nur für sehr junge oder sehr kleine Shops sinnvoll ist. Und ein Umzug von Shopify zu Shopify, etwa beim Zusammenlegen mehrerer Shops oder beim Wechsel zu Shopify Plus, ist zwar technisch ein Sonderfall, folgt aber denselben Regeln: Shopify bietet keine eingebaute Duplizierfunktion, Bestellungen lassen sich nicht über den Adminbereich importieren, und Passwörter kommen auch zwischen zwei Shopify-Shops nicht mit.
Was eine Migration außerdem nicht ist: eine Gelegenheit, alles gleichzeitig zu ändern. Wer beim Umzug auch Sortiment, Preise, Markenauftritt und Zielgruppe neu erfindet, kann hinterher nicht mehr auseinanderhalten, welche Veränderung welche Wirkung hatte. Der Umzug ist die Baustelle, das Geschäft läuft weiter.
Für wen lohnt sich der Wechsel zu Shopify und für wen nicht?
Shopify lohnt sich für Händler, die eine gehostete Plattform wollen, bei der Updates, Sicherheit, Skalierung und Checkout nicht mehr ihr Problem sind, und die bereit sind, dafür ein Stück Kontrolle abzugeben. Das ist die ehrliche Kurzfassung. Typische Auslöser für den Wechsel sind ein Altsystem ohne Zukunft (Shopware 5 bekommt seit Ende Juli 2024 keine Sicherheitsupdates mehr vom Hersteller, Magento 1 seit 2020), ein Shop, der bei jedem Plugin-Update zittert, ein Team, das lieber verkauft als Server pflegt, oder ein Geschäft, das international wachsen will, ohne dafür jedes Mal Technik nachzurüsten.
Es gibt aber Fälle, in denen wir vom Wechsel abraten, und die gehören in jeden ehrlichen Leitfaden:
- Sehr individuelle Prozesse im Checkout. Der Shopify-Checkout ist standardisiert. Anpassungen laufen über Checkout-Apps und den Checkout-Editor; Apps auf den Schritten Informationen, Versand und Zahlung sind laut Shopify-Hilfe Shopify Plus vorbehalten (Stand September 2026). Wer heute eine eigene Bestellstrecke mit Sonderlogik betreibt, muss sie in dieses Raster bringen oder Plus einplanen.
- Produkte mit mehr als drei Optionen. Ein Shopify-Produkt hat höchstens drei Optionen, etwa Größe, Farbe und Material. Konfiguratoren mit fünf abhängigen Merkmalen brauchen Apps oder eine andere Produktstruktur.
- B2B mit tiefen Sonderkonditionen. Shopify kann B2B, seit dem 2. April 2026 auch ohne Plus mit bis zu drei Katalogen. Wer aber hunderte Kundengruppen mit eigenen Preislisten, Freigabeprozessen und Angebotswesen fährt, sollte genau prüfen, ob das reicht, und den Plus-Plan mitrechnen.
- Content-Plattformen mit Shop als Beiwerk. Wenn dein Geschäft aus Magazin, Mitgliederbereich oder Marktplatz besteht und der Shop nur ein Teil davon ist, bleibt WordPress oft das bessere Zuhause.
- Ein Setup, das schlicht läuft. Wenn dein Shopware 6 oder dein Adobe Commerce gepflegt ist, dich nichts bremst und die Kosten passen, ist ein Umzug nur wegen schönerer Technik selten sein Geld wert.
Wir beraten plattformneutral und bauen auf Shopify, Shopware, Adobe Commerce und WooCommerce. Die Frage „welches System passt zu mir" beantworten wir deshalb nicht nach Provision, sondern nach deinem Geschäft; die Entscheidungshilfe dazu steht im Beitrag welche Shop-Plattform zu dir passt.
Von welchem System kommst du? Die Wege im Überblick
Fast jede Migration zu Shopify startet in einem von sechs Systemen, und jedes bringt eigene Sonderfälle mit. Die Kurzporträts hier ordnen ein; die Details stehen in den jeweiligen Beiträgen.
Von Shopware. Der häufigste Weg im deutschsprachigen Raum, getrieben vom Support-Ende für Shopware 5. Die Sonderfälle heißen Erlebniswelten, Eigenschaften, Kundengruppen und Plugins. Shopware 6 exportiert per Import/Export-Modul fast alles, Erlebniswelten müssen in Shopify aber neu aufgebaut werden, und wer Pickware nutzt, kann es seit 2022 auch mit Shopify weiterbetreiben. Alles dazu im Beitrag von Shopware zu Shopify.
Von WooCommerce. Hier zieht nicht nur ein Shop um, sondern eine ganze Plugin- und Hosting-Landschaft. Shopifys eigene Store-Migration-App importiert WooCommerce-Produkte, Kunden und die Bestellungen der letzten 60 Tage, aber keine Bewertungen; der Blog braucht einen eigenen Weg. Wie Produkte, Blog, Plugins und Abos umziehen, steht im Beitrag von WooCommerce zu Shopify.
Von JTL-Shop. Die Kernfrage lautet nicht „wie exportiere ich", sondern „bleibt meine Wawi". Mit dem offiziellen JTL-Connector bleibt JTL-Wawi das führende System und befüllt Shopify mit Artikeln, Beständen, Preisen und Kategorien; Aufträge fließen zurück. Was der Connector kann und was nicht, und wann ein Komplett-Umzug klüger ist, klärt der Beitrag von JTL-Shop zu Shopify.
Von Magento und Adobe Commerce. Das komplexeste Datenmodell unter den Quellsystemen: EAV-Attribute, konfigurierbare Produkte, Store Views, Kundengruppen und Extensions müssen auf Metafelder, Optionen, Märkte, B2B-Kataloge und Apps übersetzt werden. Adobe Commerce 2.4.6 ist am 11. August 2026 aus dem Standard-Support gelaufen, was viele Händler gerade jetzt zum Nachdenken bringt. Der Beitrag von Magento zu Shopify geht das Modell Stück für Stück durch.
Von Gambio, OXID, xt:Commerce oder modified. Altsysteme ohne fertigen Importweg. Die Exporte sind lückenhaft, OXID liefert nativ nur Artikeldaten, und Shopifys Store-Migration-App kennt keines dieser Systeme. Hier arbeitet man mit CSV-Aufbereitung und Werkzeugen wie Matrixify. Ein eigener Beitrag dazu folgt in diesem Guide.
Von Jimdo, Wix, IONOS oder Strato. Kleine Shops mit wenigen Produkten, bei denen die Domain und die Inhalte die eigentlichen Themen sind. Für Wix gibt es einen offiziellen Importweg, für Jimdo nicht. Auch dazu folgt ein eigener Beitrag.
Von Shopify zu Shopify. Beim Zusammenlegen mehrerer Shops oder beim Wechsel zu Shopify Plus gelten dieselben Regeln wie beim Umzug von außen: Bestellungen per App oder API, Passwörter nicht übertragbar, Weiterleitungen für alle alten Pfade. Plus-Organisationen können beim Anlegen eines weiteren Shops einmalig Themes, Produkte und Dateien kopieren, mehr nicht.
Was kommt mit und was nicht?
Die meisten Daten ziehen um, aber nicht alle auf demselben Weg und nicht alle in derselben Form. Diese Übersicht ist die Erwartungshaltung, mit der du in jedes Gespräch über eine Shopify-Migration gehen solltest. Grundlage sind die Angaben aus dem Shopify-Hilfecenter, Stand September 2026, und die Dokumentation der gängigen Migrationswerkzeuge.
| Daten | Kommt mit? | Weg und Einschränkung |
|---|---|---|
| Produkte, Varianten, Bilder | Ja | CSV oder App. Höchstens 3 Optionen und 2.048 Varianten je Produkt, Bilder nur per öffentlicher URL |
| Kategorien | Als Kollektionen | Kein Kategoriebaum in Shopify; Hierarchie über Menü und Filter |
| Produktattribute, Freitextfelder | Als Metafelder | Müssen definiert und gemappt werden |
| Kunden mit Adressen, Tags | Ja | CSV oder App. Marketing-Einwilligung nur als ja/nein |
| Kundenpasswörter | Nein | Technisch unmöglich; neue Kundenkonten arbeiten passwortlos |
| Bestellhistorie | Ja, per App oder API | Nicht über den Adminbereich; Bestellnummern starten bei #1001 |
| Rabattcodes | Per App | Nicht per CSV; Nutzungszähler kommen nie mit |
| Gutschein-Restguthaben | Per API | Als neue Geschenkgutscheine mit Startguthaben |
| Bewertungen | Über Review-App | Kein natives Bewertungssystem seit Mai 2024 |
| Blog, Seiten | Per App | Kein nativer Blog-Import; feste URL-Struktur |
| Weiterleitungen | Ja | CSV-Import, bis 100.000 Einträge im Standardplan |
| Abo-Verträge | Einzelfall | Hängen an Abo-App und Zahlungsanbieter |
| Erlebniswelten, Landingpages, Theme | Nein | Werden im Shopify-Theme neu aufgebaut |
| Plugins, Extensions | Nein | Werden durch Bordmittel oder Apps ersetzt |
Zwei Zeilen dieser Tabelle entscheiden über den Erfolg eines Projekts: Kundenpasswörter und Bestellhistorie. Beide sehen auf dem Papier nach Nebensache aus, beide bekommen im Projektplan ein eigenes Kapitel, und beide bekommen in diesem Guide einen eigenen Beitrag.
Das Shopify-Datenmodell: Was du verstehen musst, bevor du exportierst
Shopify speichert Produkte, Kategorien und Inhalte anders als die meisten Systeme, aus denen Händler kommen, und diese Unterschiede bestimmen die gesamte Datenübernahme. Wer sie vor dem Export kennt, spart sich den zweiten Importversuch. Vier Punkte sind entscheidend.
Optionen, Varianten, Metafelder. Ein Shopify-Produkt hat bis zu drei Optionen, aus deren Kombination die Varianten entstehen. Seit dem 15. Oktober 2025 sind laut Shopify-Changelog bis zu 2.048 Varianten je Produkt auf allen Plänen möglich. Alles, was keine Option ist, also Material, Herkunft, Pflegehinweise, technische Daten, Zertifikate, wandert in Metafelder, die du vorher definierst. Wer aus Magento oder Shopware kommt und dort dutzende Attribute pflegt, bekommt hier seine erste Übersetzungsaufgabe.
Kollektionen statt Kategoriebaum. Shopify kennt keine verschachtelten Kategorien mit Pfad-URLs. Es gibt Kollektionen, manuell befüllt oder automatisch über Regeln wie Tag, Produkttyp oder Preis. Die Hierarchie, die deine Kunden gewohnt sind, entsteht im Menü, das bis zu drei Ebenen tief sein darf, und über die Filter der Search-&-Discovery-App. Ein fünfstufiger Kategoriebaum passt also nicht 1:1, er wird neu gedacht.
Feste URL-Muster. Produkte liegen immer unter /products/, Kollektionen unter /collections/, Seiten unter /pages/, Blogartikel unter /blogs/<blog>/. Diese Präfixe sind nicht änderbar, und der Handle, also der Teil nach dem Präfix, ist immer kleingeschrieben. Deshalb ändert sich bei einer Migration fast jede Adresse, und deshalb sind Weiterleitungen kein optionaler Schritt.
Apps statt Plugins. Was im Altsystem ein Plugin war, ist in Shopify entweder Bordmittel, eine App aus dem App Store oder eine Anpassung im Theme. Das ist meist einfacher als vorher, verschiebt aber Kosten vom einmaligen Kauf zu monatlichen Gebühren. Eine Bestandsaufnahme der Plugins gehört deshalb an den Anfang jedes Projekts.
Wie das Mapping im Detail funktioniert, mit Feldzuordnung, Testimport und den Grenzen, steht im Beitrag Produktdaten nach Shopify migrieren. Und wie die Oberfläche aussieht, in der du hinterher arbeitest, zeigt unser Guide zum Shopify Admin.
Wie läuft eine Migration zu Shopify ab? Die Phasen mit Zeitgefühl
Eine Migration zu Shopify läuft in sieben Phasen, und die wichtigste Regel gilt für alle: Der alte Shop verkauft weiter, bis der neue vollständig geprüft ist. Der neue Shop entsteht parallel auf einer vorläufigen Adresse, passwortgeschützt, und wird erst am Umschalttag mit deiner Domain verbunden.
- Bestandsaufnahme. Welche Daten gibt es, in welcher Qualität, welche Funktionen nutzt der Shop wirklich, welche Systeme hängen dran, welche URLs bringen Traffic? Hier entstehen Mapping-Tabelle, Plugin-Liste und URL-Inventur. Diese Phase entscheidet über alles Weitere und wird trotzdem am häufigsten verkürzt.
- Testmigration. Ein Teil der Daten, gern nur ein paar Dutzend Produkte und Kunden, wird nach dem Mapping importiert. Nicht, um fertig zu werden, sondern um zu sehen, wo das Mapping hakt: Varianten, Umlaute, Bilder, Preise, Steuerklassen. Was hier auffällt, kostet später ein Vielfaches.
- Aufbau. Theme, Navigation, Kollektionen, Filter, Seiten, Apps, Zahlungsarten, Versandregeln, Steuern, Rechtstexte, Benachrichtigungen. In dieser Phase entsteht der Shop, den deine Kunden später sehen. Design und Inhalte kommen parallel.
- Vollständige Migration. Alle Produkte, Kunden und, wenn gewollt, Bestellungen, dazu Weiterleitungen und Inhalte. Je nach Datenmenge ein Tag oder eine Woche, mit Kontrollen nach jedem Block.
- Prüfung. Testkäufe mit jeder Zahlart, Gutschein, Retoure, Storno, auf Desktop und Smartphone; Stichproben in Produkten, Kollektionen und Weiterleitungen; Abgleich der Anbindungen. Was du nicht testest, testet dein Kunde.
- Umschalten. Domain verbinden, Weiterleitungen scharf schalten, Kunden informieren, Suchmaschinen die neue Sitemap zeigen. Der Tag selbst ist kurz, wenn die Phasen davor ernst genommen wurden; der Abschnitt zum Go-live-Tag weiter unten geht ihn durch.
- Nachlauf. Die ersten Wochen mit Blick auf 404-Fehler, Rankings, Bestellabläufe, Support-Anfragen und die Kleinigkeiten, die kein Test der Welt vorher findet.
Zum Zeitgefühl: Ein kleiner Shop mit gepflegten Daten, Standard-Theme und ohne Warenwirtschaft ist in wenigen Wochen umgezogen. Sobald viele Varianten, eine ERP-Anbindung, mehrere Länder oder ein individuelles Design dazukommen, sprichst du über Monate. Shopify selbst nennt in seinem Leitfaden zum Replatforming (Stand März 2026) für kleinere Wechsel zwischen zwei gehosteten Systemen acht bis zwölf Wochen und für große Projekte sechs Monate und mehr. Was ein Projekt zuverlässig beschleunigt und was es bremst, steht im Beitrag zur Dauer einer Shop-Migration; die Reihenfolge der Schritte in unserer Migrations-Checkliste.
Der alte Shop verkauft weiter, bis der neue vollständig geprüft ist. Alles andere ist kein Umzug, sondern ein Sprung.
Kunden und Bestellungen: Die zwei Dinge, die jeder unterschätzt
Kundenkonten und Bestellhistorie sind die beiden Arbeitspakete, die in fast jedem Angebot zu klein geplant werden, weil sie technisch nach zwei CSV-Dateien aussehen. Sie sind es nicht.
Kunden. Passwörter lassen sich nicht übertragen, weil sie im Altsystem verschlüsselt liegen; das gilt für CSV, API und jedes Migrationstool. Die gute Nachricht: Die aktuellen Shopify-Kundenkonten brauchen kein Passwort mehr. Kunden melden sich mit E-Mail-Adresse und einem einmaligen sechsstelligen Code an. Die klassischen Kundenkonten mit Passwort hat Shopify laut Changelog am 26. Februar 2026 abgekündigt; neue Shops bekommen sie nicht mehr, ein Abschaltdatum will Shopify noch 2026 nennen. Wer heute migriert, plant also direkt auf die neuen Konten, sonst stellt er zweimal um. Was bleibt, ist die Kommunikation: Deine Kunden müssen wissen, warum der Login anders aussieht, bevor sie ratlos vor dem Feld stehen. Dazu kommt der Datenschutz: Newsletter-Einwilligungen übernimmst du nur, wenn du den Nachweis aus dem Altsystem hast, und die CSV kennt dafür nur ein „ja" oder „nein". Alle Details im Beitrag Kundenkonten bei der Shopify-Migration.
Bestellungen. Bestellungen lassen sich laut Shopify-Hilfe nicht über den Adminbereich importieren, sondern nur per Migrations-App oder API, und zwar nach den Produkten und Kunden. Die Bestellnummern starten in jedem neuen Shop bei #1001; ändern lässt sich nur Präfix und Suffix. Für die Buchhaltung ist das weniger dramatisch, als es klingt, weil Shopify ohnehin keine Rechnungen schreibt: Den Rechnungsnummernkreis führt die Rechnungs-App, die du sowieso brauchst. Die eigentliche Entscheidung lautet, ob du alle Bestellungen importierst, nur die letzten Monate, oder gar keine und das Altsystem als Archiv behältst. Jede Variante hat Folgen für Kundenservice, Retouren, Auswertungen und Aufbewahrungspflichten. Der Beitrag Bestellhistorie nach Shopify geht alle drei Wege durch, inklusive GoBD und DATEV.
Wie bleiben Rankings erhalten, wenn Shopify die URLs vorgibt?
Rankings bleiben erhalten, wenn jede alte Adresse, die Traffic oder Links hat, sauber auf die passende neue Seite weiterleitet und die Inhalte, Meta-Daten und internen Verlinkungen mitziehen. Bei Shopify ist das anspruchsvoller als bei einem Server, den du selbst konfigurierst, weil du die URL-Struktur nicht behalten kannst und weil die Weiterleitungen eigene Regeln haben.
Die wichtigsten davon, laut Shopify-Hilfe mit Stand September 2026: Weiterleitungen greifen nur, wenn die alte Adresse in Shopify ein 404 liefert. Pfade, die mit /products, /collections, /cart oder /orders beginnen, lassen sich nicht weiterleiten, was beim Umzug von einem anderen Shopify-Shop oder von Systemen mit ähnlichen Pfaden relevant wird. Der Standardplan erlaubt 100.000 Weiterleitungen, per CSV importierbar. Es sind exakte Pfade, keine Muster; wer tausende Filter- oder Parameter-URLs hat, braucht eine vollständige Liste oder eine App.
Die Arbeit dahinter ist immer dieselbe: Inventur aller URLs aus Crawl, Search Console, Analytics und Backlinks, Mapping jeder Adresse auf ihr neues Ziel, Import, Stichprobe vor dem Umschalten, Beobachtung danach. Sitemap und hreflang für mehrere Sprachen erzeugt Shopify automatisch, die robots.txt lässt sich nur über eine Theme-Datei anpassen, und eine Serverkonfiguration gibt es nicht. Wie du das Mapping baust, welche URL-Typen gern vergessen werden und wie der Go-live SEO-seitig abläuft, steht im Beitrag SEO bei der Shopify-Migration. Die plattformunabhängigen Grundregeln findest du im Beitrag zur Shop-Migration ohne Ranking-Verlust.
Wawi, Zahlungsarten, Versand und Recht: Das deutsche Drumherum
Der Shop ist nach der Migration nur so gut wie die Systeme, die an ihm hängen, und hier unterscheidet sich der deutschsprachige Markt spürbar vom Rest der Shopify-Welt. Vier Themen gehören in die Bestandsaufnahme, nicht in den Nachlauf.
Warenwirtschaft. Für JTL-Wawi, PlentyONE, Xentral, Billbee, weclapp, Afterbuy und Pickware gibt es Anbindungen an Shopify. Ob deine Wawi das führende System bleibt und Shopify nur das Schaufenster ersetzt, oder ob Shopify mit Apps die Wawi ablöst, ist eine Grundsatzentscheidung, die vor dem Mapping fallen muss. Marktplätze wie Amazon und eBay lassen sich über Shopifys Marketplace-Connect-Kanal anbinden, Otto und Kaufland nur über Drittanbieter-Apps oder die Wawi.
Zahlungsarten. Shopify Payments ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz verfügbar und bringt Karten, Apple Pay, Google Pay, Shop Pay und Klarna mit, darunter Rechnungskauf und Ratenkauf. PayPal ist ein separater Anbieter, bei aktivem Shopify Payments aber ohne zusätzliche Transaktionsgebühr. SEPA-Lastschrift und Sofortüberweisung stehen nicht auf der Liste von Shopify Payments; wer sie braucht, geht über Drittanbieter und zahlt dafür die Drittanbieter-Transaktionsgebühr des jeweiligen Plans. Prüfe vor dem Umzug, welche Zahlarten deine Kunden heute wirklich nutzen.
Versand und Buchhaltung. DHL-Etiketten lassen sich direkt im Shopify-Admin erstellen, allerdings nur für Sendungen innerhalb Deutschlands; international geht es über Apps wie Sendcloud oder die Wawi. Rechnungen schreibt Shopify nicht, DATEV-Exporte gibt es nur über Apps, und Rechnungsprogramme wie sevdesk oder Lexware Office binden sich per App an. Das ist alles lösbar, aber jede dieser Apps muss ausgewählt, eingerichtet und getestet werden.
Recht und Datenschutz. Der Bestellbutton muss nach § 312j BGB „zahlungspflichtig bestellen" oder eine gleichwertige Formulierung tragen; in Shopify änderst du den Text im Checkout selbst, standardmäßig steht er nicht so da. Rechtstexte werden im Checkout automatisch verlinkt, eine AGB-Checkbox gibt es nicht als Bordmittel. Grundpreise kann Shopify nativ, Lieferzeiten auf der Produktseite sind Theme-Sache. Deutsche Rechtstexte liefert Shopify nicht, dafür gibt es Schnittstellen zu Händlerbund und IT-Recht-Kanzlei. Beim Datenschutz ist dein Vertragspartner Shopify International Ltd. in Irland; Shopify nennt für Übermittlungen in Drittländer Standardvertragsklauseln und verbindliche interne Datenschutzvorschriften, eine Zertifizierung nach dem EU-US-Datenschutzrahmen beansprucht Shopify in seinen eigenen Unterlagen nicht. Das gehört in deine Datenschutzerklärung, und das Cookie-Banner von Shopify deckt nur Shopify-eigene Werkzeuge ab; externe Pixel brauchen eine Consent-Lösung, die mit Shopifys Customer Privacy API spricht. Wie du Tracking datenschutzsauber aufsetzt, steht im Beitrag zur Webanalyse ohne Cookie-Banner. Eigene Beiträge zu Anbindungen und zur Rechtssicherheit folgen in diesem Guide.
Der Go-live-Tag auf Shopify
Der Umschalttag ist kurz und unspektakulär, wenn die Phasen davor ernst genommen wurden. So läuft er in der Praxis ab, und so verhinderst du die drei Klassiker: Kunden vor verschlossener Tür, tote Links und eine Flut ungewollter E-Mails.
- Vorlauf: Domain vorbereiten. Ein Domain-Transfer zu Shopify kann bis zu 20 Tage dauern; in den meisten Projekten bleibt die Domain beim bisherigen Anbieter und wird nur per DNS mit Shopify verbunden. Die DNS-Änderung wird vorbereitet, aber noch nicht ausgeführt.
- Vorlauf: Daten einfrieren. Ab einem vereinbarten Zeitpunkt keine Produktänderungen mehr im alten Shop, damit Delta-Importe von Kunden und Bestellungen sauber bleiben.
- Vorlauf: Benachrichtigungen prüfen. Mitarbeiter-Benachrichtigungen aus, bevor Bestellungen importiert werden, Kundenmails für importierte Datensätze unterdrücken, Willkommens-Automationen im Newsletter-Tool pausieren.
- Umschalten. Passwortschutz vom neuen Shop entfernen, DNS auf Shopify zeigen lassen, Weiterleitungen stichprobenartig prüfen, sobald die Domain antwortet.
- Direkt danach. Sitemap in der Search Console einreichen, Testbestellung mit echter Zahlart, Kundenkonten-Login prüfen, Tracking-Events kontrollieren, Wawi-Abgleich beobachten.
- Kunden informieren. Eine kurze Mail an Bestandskunden: Was ist neu, wie funktioniert der Login, wo gibt es Hilfe. Ein Hinweis auf der Login-Seite fängt den Rest auf.
- Die ersten 30 Tage. Täglich 404-Liste und Bestellabläufe, wöchentlich Rankings und Search-Console-Abdeckung, dazu ein offenes Ohr für den Support. Alte Rankings schwanken einige Wochen; dauerhafte Verluste kommen fast immer von vergessenen Weiterleitungen.
Was in dieser Liste fehlt, ist eine tagelange Baustellenseite. Die gibt es bei einer geplanten Migration nicht.
Was kostet der Wechsel und welche Tools gibt es?
Der Umzug kostet je nach Umfang einen vierstelligen bis fünfstelligen Betrag, bei komplexen Setups darüber, und danach kommen laufende Kosten dazu, die im Altsystem oft anders verteilt waren. Beide Seiten gehören in die Rechnung.
Einmalig zahlst du für Analyse und Mapping, Theme und Design, Datenübernahme, Anbindungen, Weiterleitungen, Tests und Nachbetreuung. Die Kostenblöcke sind bei jeder Migration dieselben, nur die Gewichtung wechselt; der Beitrag was eine Shop-Migration kostet schlüsselt sie auf und zeigt, wo du sparen kannst und wo Sparen teuer wird.
Laufend kommen der Shopify-Plan (Stand September 2026 Basic, Grow, Advanced und Plus, die aktuellen Preise stehen auf der Preisseite von Shopify), Apps, Zahlungsgebühren und gegebenenfalls Wawi und Rechnungs-App dazu. Wer aus einem selbst gehosteten System kommt, tauscht Hosting, Updates und Entwicklerstunden gegen Monatsgebühren; ob das günstiger ist, hängt davon ab, wie ehrlich du die alten Kosten bisher gerechnet hast.
Tools gibt es für fast jeden Weg: Shopifys eigene Store-Migration-App für Square, WooCommerce, Etsy, Wix, Amazon, eBay, Clover und Lightspeed; Matrixify als Universalwerkzeug für Produkte, Kunden, Bestellungen, Weiterleitungen, Seiten, Blog und Metafelder per Tabelle; LitExtension, Cart2Cart und Next-Cart als Dienste, die viele Quellsysteme direkt anbinden; für JTL-Wawi den offiziellen Connector. Kein Tool nimmt dir das Mapping, die Prüfung und die Entscheidungen ab. Es beschleunigt den Transport, nicht das Denken. Ein eigener Beitrag vergleicht die Werkzeuge; bis dahin gilt: Für einen kleinen Shop mit sauberen Daten kannst du vieles selbst machen, sobald Wawi, Bestellhistorie oder viele Weiterleitungen dazukommen, lohnt sich Hilfe.
Die Fehler, die speziell bei Shopify-Migrationen passieren
Die allgemeinen Migrationsfehler haben wir im Beitrag zu den häufigsten Fehlern bei der Shop-Migration beschrieben. Diese sieben sind Shopify-spezifisch, und wir sehen sie immer wieder:
- Das Datenmodell erst beim Import kennenlernen. Vier Optionen, ein tiefer Kategoriebaum, dutzende Attribute: Wer das erst im Import-Fehlerprotokoll entdeckt, macht das Mapping zweimal.
- Auf klassische Kundenkonten migrieren. Sie sind abgekündigt. Wer heute noch darauf setzt, stellt seine Kunden in wenigen Monaten ein zweites Mal um.
- Bestellungen als „das machen wir per CSV" einplanen. Geht nicht. Bestellungen brauchen App oder API, Mitarbeiter-Benachrichtigungen aus und einen Plan für Nummernkreise.
- Weiterleitungen für Systempfade erwarten. Alte Adressen, die mit
/productsoder/collectionsbeginnen, lassen sich nicht weiterleiten. Das trifft Umzüge von Shopify zu Shopify und Systeme mit ähnlichen Pfaden. - Zahlungsarten nicht prüfen. SEPA-Lastschrift und Sofortüberweisung sind nicht Teil von Shopify Payments. Wer das erst nach dem Go-live merkt, verliert Kunden im Checkout.
- Den Bestellbutton vergessen. Der Standardtext erfüllt § 312j BGB nicht. Zwei Minuten Arbeit, die vor Abmahnungen schützen.
- Bewertungen liegen lassen. Ohne Export aus dem Altsystem und Import in eine Review-App sind sie weg, und mit ihnen Jahre an Vertrauensaufbau.
Die Checkliste für deine Shopify-Migration
Diese Liste ist kürzer als unsere allgemeine Migrations-Checkliste, weil sie nur die Punkte enthält, die am Ziel Shopify besonders sind. Hak sie direkt hier ab.
- Datenmodell geprüft: kein Produkt mit mehr als drei Optionen, Attribute als Metafelder definiert, Kategoriebaum als Kollektionen und Menü geplant
- Plugin- und Extension-Liste erstellt und jedem Eintrag ein Shopify-Bordmittel, eine App oder ein bewusster Verzicht zugeordnet
- Warenwirtschaft entschieden: bleibt führend mit Anbindung oder wird abgelöst
- Zahlungsarten abgeglichen: Shopify Payments, PayPal, Klarna, Bedarf für SEPA oder andere Drittanbieter geklärt
- URL-Inventur aus Crawl, Search Console, Analytics und Backlinks; Mapping-Tabelle mit Ziel je Adresse; Systempfade und Parameter-URLs geprüft
- Kundenkonten auf die neuen passwortlosen Konten geplant; Kundenmail und Login-Hinweis formuliert
- Newsletter-Einwilligungen: Nachweise archiviert, nur bestätigte Einwilligungen als „ja" übernommen, altes Tool vor dem Sync getrennt
- Bestellhistorie entschieden: alles, Teil oder Archiv; Nummernkreise, Rechnungs-App und DATEV-Weg festgelegt
- Bewertungen exportiert und Review-App ausgewählt
- Gutschein-Restguthaben und aktive Rabattcodes erfasst und Weg festgelegt
- Rechtstexte eingebunden, Bestellbutton umbenannt, Grundpreise und Lieferzeiten geprüft
- Datenschutzerklärung an Shopify angepasst, Consent-Lösung für externe Pixel gewählt, Tracking neu aufgesetzt
- Testmigration mit wenigen Datensätzen durchgeführt und Mapping korrigiert
- Prüfung: Testkäufe je Zahlart, Gutschein, Storno, Retoure, mobil und Desktop; Anbindungen im Abgleich
- Go-live: Domain-Weg geklärt, Benachrichtigungen aus, Passwortschutz entfernt, Sitemap eingereicht, 404-Monitoring aktiv
Wer diese Punkte abhakt, hat die Shopify-spezifischen Stolperstellen hinter sich. Die Reihenfolge der allgemeinen Projektschritte, von der Inventur bis zum Nachlauf, steht in der Checkliste zur Shop-Migration.
Fazit: Mit Plan ist der Wechsel zu Shopify Handwerk, kein Wagnis
Eine Shopify-Migration scheitert nicht an Shopify, sondern an Annahmen: dass Daten 1:1 passen, dass Kunden und Bestellungen Nebensache sind, dass Weiterleitungen sich von selbst ergeben und dass Zahlungsarten, Rechtstexte und Wawi schon irgendwie mitkommen. Wer diese vier Annahmen durch Bestandsaufnahme, Testmigration, eigene Arbeitspakete und einen Plan für den Umschalttag ersetzt, bekommt einen Shop, der am ersten Tag verkauft und in den Wochen danach seine Rankings zurück hat.
Genau so arbeiten wir bei Webforging: plattformneutral, mit einem kostenlosen Erstgespräch und einem Festpreis, der nach der Analyse steht und nicht mittendrin nachverhandelt wird. Manchmal ist das ehrliche Ergebnis dieses Gesprächs auch, dass du bei deinem System bleiben solltest. Wenn du wissen willst, was der Wechsel für deinen Shop bedeuten würde, welche Daten mitkommen und wo die Fallstricke liegen: Erzähl uns kurz von deinem Shop, oder nutze den Migrations-Check auf unserer Seite zur Shop-Migration. Wir sagen dir, was geht, was nicht geht und was es kosten würde.