Shopify · 20. September 2026 · 15 Min. Lesezeit
Von Shopware zu Shopify: Was mitkommt, was neu entsteht und worauf du achten musst
Shopware zu Shopify: was aus Shopware 5 und 6 mitkommt, was neu entsteht (Erlebniswelten, Eigenschaften, Kundengruppen) und wann du besser bei Shopware bleibst.
von Dominic Spernath
Teil 2 von 16 im Themen-Guide Shopify-Migration
Der Wechsel von Shopware zu Shopify lohnt sich, wenn du Hosting, Updates und Plugin-Pflege loswerden willst und dein Sortiment in das Shopify-Datenmodell passt: höchstens drei Optionen je Produkt, flache Kollektionen statt Kategoriebaum, feste URL-Muster. Produkte, Varianten, Kategorien, Kunden und Bestellungen kommen mit, wenn auch auf unterschiedlichen Wegen. Neu entstehen müssen Erlebniswelten, Plugin-Funktionen, Rechtstexte und die Logins deiner Kunden. Und wer ein stark angepasstes Shopware 6 mit vielen Eigenschaften, Kundengruppen und eigenem Checkout betreibt, sollte vor dem Wechsel ehrlich prüfen, ob Shopware 6 nicht die bessere Antwort bleibt.
Dieser Artikel ist der Shopware-Teil unseres Leitfadens zur Shopify-Migration. Dort findest du Ablauf, Go-live-Tag, Kosten und Checkliste für jeden Wechsel zu Shopify. Hier geht es nur um das, was an Shopware 5 und Shopware 6 besonders ist: der Auslöser, das Datenmodell, die Exportwege, die teuren Sonderfälle und die Frage, wann du besser bleibst.
Warum wechseln Händler gerade jetzt von Shopware?
Der häufigste Auslöser ist das Support-Ende von Shopware 5. Laut der Webinar-Fragerunde von Shopware zum Ende von Shopware 5, Stand September 2026, hat Shopware bis Ende Juli 2024 Sicherheitsupdates für die Version 5 entwickelt. Danach ging die Pflege an die Community und den Anbieter safefive über, die Updates gegen eine Gebühr weiterführen. Wer heute noch auf Shopware 5 verkauft, betreibt also entweder ein System ohne Herstellerpflege oder bezahlt für einen verlängerten Support. Beides ist ein Zustand mit Ablaufdatum, kein Zuhause.
Der zweite Auslöser ist, dass der naheliegende Weg nach Shopware 6 selbst eine Migration ist. Shopware 6 ist eine Neuentwicklung mit anderem Datenmodell, anderem Theme-System und eigenem Plugin-Ökosystem. Plugins, Templates und Anpassungen aus Shopware 5 lassen sich nicht einfach mitnehmen, sondern müssen neu beschafft oder neu gebaut werden. Wenn ohnehin fast alles neu entsteht, stellen viele Händler die Frage grundsätzlich: Wenn schon umziehen, dann wohin?
Der dritte Grund ist der Betrieb. Ein selbst gehostetes Shopware braucht Server, Updates, Backups, Sicherheitspatches und jemanden, der das im Blick behält. Bei Shopify liegt dieser Teil beim Anbieter, und für Händler ohne eigene Technik ist das der eigentliche Grund für den Wechsel, nicht ein einzelnes Feature.
Und ein ehrlicher Hinweis gleich zu Beginn: Shopware 6 ist ein starkes System. Dass Shopware 5 ausläuft, ist ein Argument gegen Shopware 5, nicht gegen Shopware.
Shopware 6 oder Shopify: was ist die ehrliche Abwägung?
Wenn dein Geschäft von Funktionen lebt, die Shopify nur mit Plus oder gar nicht bietet, ist Shopware 6 die ehrlichere Wahl; wenn du Betrieb, Updates und Hosting abgeben willst und dein Sortiment in das Shopify-Modell passt, ist es Shopify. Alles andere ist Geschmack, und über Geschmack lässt sich ein Shop nicht kalkulieren.
Für Shopware 6 spricht die Kontrolle. Du entscheidest, wo der Shop läuft, wie der Checkout aussieht, wie viele Eigenschaften ein Produkt hat und wie Kundengruppen, Preisregeln und Erlebniswelten zusammenspielen. Das Datenmodell ist für den deutschen Handel gebaut: Kundengruppen, Staffelpreise, Grundpreise, Netto- und Bruttodarstellung sind Kernfunktionen. Was Shopware 6 im Detail kann und für wen wir es empfehlen, steht auf unserer Shopware-Seite.
Für Shopify spricht der Betrieb. Hosting, Sicherheit, Updates und ein großer Teil der Zahlungsabwicklung liegen beim Anbieter, und der Admin ist für Nicht-Techniker gemacht. Der Preis dafür sind Grenzen: höchstens drei Optionen je Produkt, ein Checkout, in den du ohne Shopify Plus nur auf der Danke- und Bestellstatus-Seite mit Apps eingreifen kannst, und ein Datenmodell, das flacher ist als das von Shopware. Dazu kommen laufende Kosten für Apps, die in Shopware ein Plugin oder eine Kernfunktion waren.
Die Abwägung ist also keine Frage von besser oder schlechter, sondern von Passung. Eine gute Faustregel: Zähle die Sonderfälle. Je mehr Eigenschaften, Kundengruppen, Preisregeln und individuelle Checkout-Schritte dein Shop hat, desto mehr spricht für Shopware 6. Je mehr davon Altlasten sind, die niemand mehr braucht, desto mehr spricht für Shopify. Eine allgemeine Einordnung der Plattformen findest du in unserem Beitrag Welche Shop-Plattform passt zu dir?.
Was macht Shopify beim Datenmodell anders?
Shopify ist flacher und strenger als Shopware: drei Optionen statt beliebig vieler Eigenschaften, Kollektionen statt Kategoriebaum, Metafelder statt frei definierbarer Felder. Genau dieser Unterschied entscheidet, wie viel Handarbeit dein Umzug braucht.
Optionen und Varianten. In Shopware kann ein Produkt beliebig viele Eigenschaften tragen und daraus Varianten bilden. In Shopify hat ein Produkt laut Shopify-Hilfe, Stand September 2026, höchstens drei Optionen, zum Beispiel Farbe, Größe und Material. Aus den Kombinationen entstehen bis zu 2.048 Varianten je Produkt; diese Grenze gilt seit Oktober 2025 auf allen Plänen. Alles, was keine Kaufentscheidung ist, also Pflegehinweise, Herkunft, technische Daten, gehört nicht in eine Option, sondern in ein Metafeld. Ein Vorbehalt: Apps ohne die aktuellen Produkt-Schnittstellen von Shopify kommen mit mehr als 100 Varianten je Produkt nicht in jedem Fall zurecht, prüfe das vor dem Import bei den Apps, die du einsetzen willst.
Eigenschaften und Metafelder. Shopware-Eigenschaften, die keine Variante bilden, werden in Shopify zu Metafeldern: strukturierte Zusatzfelder mit festem Typ, die das Theme anzeigen und die Filter nutzen können. Für Metafeld-Definitionen gilt eine Grenze von 256 je Ressourcentyp, plus 256 je installierter App, und höchstens 50 davon lassen sich im Admin anpinnen. Für die meisten Sortimente reicht das; wer in Shopware Hunderte Eigenschaften angelegt hat, muss vorher ausmisten, sonst zieht der Wildwuchs mit um.
Kategorien und Kollektionen. Shopware ordnet Produkte in einen Baum mit beliebig vielen Ebenen, und die Kategorie-URL bildet diesen Pfad ab. Shopify kennt nur flache Kollektionen, manuell befüllt oder automatisch über Regeln wie Tag, Produkttyp oder Anbieter. Eine Hierarchie entsteht ausschließlich im Menü, das drei Ebenen erlaubt, und über die Filter der Search-&-Discovery-App, von denen ein Shop höchstens 25 anlegen kann; bei Kollektionen mit mehr als 5.000 Produkten stehen keine Filter zur Verfügung. Dein Baum „Herren > Jacken > Regenjacken“ wird also zu drei Kollektionen, einem Menü mit drei Ebenen und einem Filter für die Jackenart. Die Produktkategorie, die Shopify zusätzlich abfragt, ist eine Standard-Taxonomie für Steuern und Kanäle, keine Navigation.
Was das im Detail für CSV-Spalten, Handles, Bilder und Grundpreise bedeutet, steht in unserem Beitrag zum Migrieren von Produktdaten nach Shopify. Hier reicht die Erkenntnis: Der Umzug ist kein Kopieren, sondern eine Übersetzung mit Regeln, die du vorher festlegst.
Was kommt mit und was nicht?
Stammdaten kommen mit, alles Gestaltete und alles Vertrauliche nicht. Die Tabelle zeigt, was aus einem typischen Shopware-Shop wohin wandert:
| Was in Shopware liegt | Kommt es mit? | Der Weg nach Shopify |
|---|---|---|
| Produkte und Varianten | Ja, mit Grenzen | CSV oder Admin-API; höchstens 3 Optionen, bis zu 2.048 Varianten je Produkt |
| Eigenschaften | Teilweise | Als Optionen, sonst als Metafelder; Filter über die Search-&-Discovery-App |
| Kategoriebaum | Als flache Kollektionen | Hierarchie nur über Menü und Filter |
| Erlebniswelten | Nein | Neuaufbau mit Theme-Abschnitten, Seiten oder Metaobjekten |
| Medien | Ja, mit Lücke | Zusatzbilder fehlen im Standard-Exportprofil; Import nur per öffentlicher URL |
| Kunden | Ja, ohne Passwörter | CSV-Import; Login künftig per Code |
| Kundengruppen und Staffelpreise | Teilweise | B2B-Firmen und Kataloge, bis zu 3 Kataloge ohne Plus |
| Bestellungen | Nur per App oder API | Nummernkreis startet neu bei #1001 |
| Promotion-Codes | Export ja, CSV-Import nein | Neu anlegen oder per Tool |
| Bewertungen | Nur mit Review-App | Export aus Shopware, Import in die App |
| Rechtstexte und Checkout | Nein | Texte neu einbinden, Button-Text setzen |
| Plugins | Nein | Apps oder Bordmittel |
| SEO-URLs | Nein | Weiterleitungen, bis zu 100.000 |
Drei Zeilen verdienen einen zweiten Blick. Passwörter kommen nie mit, weil sie in Shopware als Hash gespeichert sind und Shopify laut eigener Hilfe zum Kundenimport, Stand September 2026, keine Passwörter aus anderen Systemen übernehmen kann; deine Kunden melden sich im neuen Shop mit einem Code an, den sie per E-Mail bekommen. Was das für Kommunikation und Newsletter-Einwilligungen bedeutet, steht im Beitrag zur Migration von Kundenkonten. Bestellungen lassen sich nicht über den Shopify-Admin importieren, sondern nur per App oder API, und der Nummernkreis beginnt in Shopify bei #1001, nur Präfix und Suffix sind wählbar. Und Bewertungen haben in Shopify seit Mai 2024 kein natives Zuhause mehr; du exportierst sie aus Shopware und importierst sie in eine Review-App wie Judge.me, Loox, Yotpo oder die Trusted-Shops-Integration.
Wie kommen die Daten aus Shopware heraus?
Aus Shopware 6 über das Import/Export-Modul oder die Admin-API, aus Shopware 5 über den Export im Backend, die REST-API oder ein Migrationstool. Der Weg entscheidet darüber, wie vollständig deine Daten ankommen.
Das Import/Export-Modul von Shopware 6 exportiert laut Shopware-Dokumentation, Stand September 2026, Produkte samt Varianten, Kunden, Bestellungen, Kategorien, Newsletter-Empfänger, Eigenschaften, Medien, Cross-Selling, erweiterte Preise und Promotion-Codes als CSV, mit UTF-8 und Semikolon als Trenner. Zwei Dinge musst du wissen: Zusatzbilder sind im Standardprofil für Produkte nicht enthalten, du brauchst dafür ein angepasstes Profil oder die API. Und die CSV folgt der Shopware-Logik, nicht der von Shopify. Eigenschaften stehen als Liste in einer Spalte, Varianten hängen an einem Hauptprodukt, Kategorien sind Pfade. Genau hier setzt das Mapping an.
Die Admin-API von Shopware 6 liefert alle Entitäten und ist der bessere Weg, wenn der Shop groß ist, viele Medien hat oder die Migration mehrfach in Schleifen laufen soll. Sie setzt aber jemanden voraus, der Skripte schreibt und pflegt. Für Shopware 5 gibt es das Modul nicht in gleicher Form; dort führen die Wege über den Export im Backend, die REST-API oder einen Migrationsdienst, der Shopware 5 als Quelle kennt.
Was es nicht gibt: einen offiziellen Shopware-Import bei Shopify. Die Store Migration App von Shopify kennt Quellen wie WooCommerce, Wix, Square oder Etsy, aber keinen Weg aus Shopware. Bleiben drei Wege in den neuen Shop: der CSV-Import im Shopify-Admin für Produkte und Kunden, Apps wie Matrixify, die CSV- und Excel-Dateien in Produkte, Kunden, Bestellungen, Weiterleitungen und Metafelder übersetzen, und Migrationsdienste wie LitExtension oder Next-Cart, die Shopware als Quelle kennen. Die Reihenfolge ist in jedem Fall dieselbe: erst Produkte, dann Kunden, dann Bestellungen, weil Bestellungen auf beide verweisen.

Bevor irgendetwas exportiert wird, lohnt der Frühjahrsputz in Shopware: inaktive Artikel löschen statt mitnehmen, doppelte Kundenkonten zusammenführen, Eigenschaftswerte vereinheitlichen, verwaiste Kategorien entfernen. Jeder Datensatz, der nicht umzieht, muss weder gemappt noch getestet werden.
Typischer Fall: Ein Shopware-6-Shop exportiert seine Produkte mit dem Standardprofil, importiert die CSV in Shopify und wundert sich, dass jedes Produkt nur ein Bild hat. Nicht das Tool hat versagt, sondern das Profil. Wer den Testimport mit zwanzig Produkten macht statt mit dem ganzen Sortiment, findet solche Lücken in einer Stunde statt in einer Woche.
Welche Sonderfälle werden teuer?
Teuer wird alles, was in Shopware Gestaltung oder Geschäftslogik war: Erlebniswelten, Eigenschaften mit Filterlogik, Kundengruppen mit Staffelpreisen, Plugins und die angebundene Warenwirtschaft. Daten kopieren ist Fleißarbeit, das hier ist Handwerk.
Erlebniswelten. In Shopware 6 sind Erlebniswelten (in Shopware 5 hießen sie Einkaufswelten) Seiten des Shopware-CMS: Layouts aus Blöcken, die auf Kategorien, Landingpages und Produktseiten liegen. Dafür gibt es in Shopify keinen Import, weil das Layout an das Shopware-Theme gebunden ist. Der Neuaufbau läuft über drei Werkzeuge: Theme-Abschnitte, die du im Theme-Editor auf jeder Vorlage anordnest, normale Seiten für Inhalte und Metaobjekte für wiederkehrende Bausteine wie Markenportraits oder Materialbeschreibungen. Texte, Bilder und Produktzuordnungen ziehen um, die Gestaltung entsteht neu. Inventarisiere deine Erlebniswelten vorher ehrlich: Welche bringen Umsatz, welche hat seit Jahren niemand angefasst? Meist zieht nur ein Teil um, und das ist eine gute Nachricht für das Budget.
Eigenschaften und Varianten. Der harte Fall sind Produkte mit mehr als drei variantenbildenden Eigenschaften oder mit Abhängigkeiten, etwa ein Konfigurator, bei dem die Größe die verfügbaren Farben bestimmt. Drei Auswege gibt es: Eigenschaften zusammenlegen, das Produkt in mehrere Produkte teilen oder eine Konfigurator-App einsetzen. Alle drei sind Sortimentsentscheidungen, keine technischen, und sie gehören an den Anfang des Projekts, nicht ans Ende.
Kundengruppen und Staffelpreise. Shopware-Kundengruppen mit eigenen Preisen werden in Shopify zu B2B-Firmen und Katalogen. Laut Shopify-Changelog, Stand September 2026, gibt es seit dem 2. April 2026 B2B-Kataloge, Firmenprofile, Zahlungsbedingungen und Mengenpreise auch auf den Plänen Basic, Grow und Advanced, begrenzt auf drei aktive Kataloge; Shopify Plus hat keine Katalog-Begrenzung. Wer mehr Händlergruppen mit eigenen Preislisten fährt, muss Gruppen zusammenlegen oder Plus einplanen. Reine Endkunden-Gruppen, etwa Stammkunden mit Nachlass, bildest du einfacher ab: Kunden-Tag plus automatischer Rabatt, ganz ohne B2B-Funktionen.
Newsletter-Empfänger. Shopware exportiert die Empfängerliste, Shopify kennt beim Kundenimport aber nur ein Ja oder Nein zur Marketing-Einwilligung. Wann und wie jemand eingewilligt hat, lässt sich per CSV nicht übernehmen. Nimm deshalb nur bestätigte Einwilligungen als Ja mit und archiviere den Nachweis aus Shopware, statt ihn wegzuwerfen.
Plugins. Jedes Shopware-Plugin bekommt im Projekt eine von drei Antworten: Bordmittel, App oder streichen. Zahlungsarten sind dabei der häufigste Diskussionspunkt. Shopify Payments deckt in Deutschland Karten, Apple Pay, Google Pay, Shop Pay und Klarna ab, auch den Kauf auf Rechnung über Klarna. PayPal bleibt ein separater Anbieter, der sich zusätzlich anbinden lässt; SEPA-Lastschrift ist kein Bestandteil von Shopify Payments und läuft, wenn überhaupt, über einen Drittanbieter. Rechtstexte ziehen nicht um: Shopify liefert keine deutschen Rechtstexte, verlinkt aber die hinterlegten Richtlinien automatisch im Checkout. Den Bestell-Button musst du selbst auf „zahlungspflichtig bestellen“ umstellen, und eine AGB-Checkbox gibt es nicht als Bordmittel. Was in Shopware ein Rechtstexte-Plugin erledigt hat, machen in Shopify die Schnittstellen von Händlerbund oder IT-Recht-Kanzlei.
Pickware und Warenwirtschaft. Viele Shopware-Händler hängen an Pickware, und die gute Nachricht ist: Pickware gibt es seit September 2022 auch für Shopify, als Warenwirtschaft mit Lagerverwaltung. Die Aussage „Pickware gibt es nur für Shopware“ ist seitdem falsch. Prüfe trotzdem mit Pickware, welche Funktionen deines Setups die Shopify-Variante abdeckt. Wer eine andere Wawi einsetzt, klärt die Anbindung vor dem Projektstart, nicht danach.
Der Wechsel von Shopware zu Shopify ist kein Umzug von Daten, sondern eine Übersetzung von Geschäftslogik.
Wie bleiben Rankings erhalten?
Indem jede Shopware-URL, die Google und deine Kunden kennen, eine dauerhafte Weiterleitung auf ihre neue Shopify-Adresse bekommt. Das klingt banal, ist bei Shopware aber Fleißarbeit mit System, weil Shopware-URLs frei konfigurierbar sind und Shopify-URLs nicht. In Shopware legst du das URL-Muster selbst fest. Kategorien tragen den Pfad, Produkte je nach Version und Einstellung den Kategoriepfad, die Artikelnummer oder nur den Namen. Shopify hat feste Routen: Produkte liegen immer unter /products/handle, Kollektionen unter /collections/handle, Seiten unter /pages/handle, Blogartikel unter /blogs/blog/artikel. Die Präfixe lassen sich nicht ändern, Handles sind immer kleingeschrieben, und doppelte Handles zählt Shopify hoch. Dein Kategoriepfad „/herren/jacken/“ existiert in Shopify also nicht mehr, sondern wird zu „/collections/herren-jacken“.
Die Weiterleitungen selbst legst du in Shopify per CSV an. Laut Shopify-Hilfe zu URL-Weiterleitungen, Stand September 2026, greifen sie nur, wenn der alte Pfad im neuen Shop ins Leere läuft, und sie funktionieren nicht für Pfade, die mit Systempräfixen wie /products, /collections, /cart oder /orders beginnen. Die Grenze liegt bei 100.000 Weiterleitungen im Standard und bei 20 Millionen für Shopify Plus. Für einen Shopware-Shop mit Filter-URLs, Paginierungen und alten Kampagnen-Links heißt das: Inventur zuerst, dann Priorisierung nach Traffic und Backlinks, dann exakte Zuordnung. Muster oder Platzhalter kennt Shopify nicht, jede Weiterleitung ist ein Pfad.

Alles Weitere, von Canonicals über Sitemap und robots.txt bis zu Märkten und hreflang, steht in unserem Beitrag zu SEO bei der Shopify-Migration. Die Kurzfassung für Shopware-Händler: Exportiere deine SEO-URLs aus Shopware, bevor der alte Shop abgeschaltet wird, und behalte die Weiterleitungen dauerhaft.
Wie läuft der Wechsel ab und wie lange dauert er?
In Schleifen, und für einen gepflegten Shopware-Shop reden wir von mehreren Wochen, bei vielen Sonderfällen von Monaten. Die Reihenfolge ist bei jeder Shopify-Migration gleich: Bestandsaufnahme, Testmigration mit wenigen Produkten, Aufbau von Theme und Inhalten, vollständige Migration, Prüfung, Umschalten, Nachlauf. Shopware läuft dabei bis zum Umschalten weiter, und beim Go-live werden die Bestellungen und Kunden nachgezogen, die seit dem letzten Lauf entstanden sind.
Was bei Shopware die Zeit frisst, ist nicht der Import. Es sind die Erlebniswelten, die neu gebaut werden, die Eigenschaften, über die entschieden werden muss, die Kundengruppen, die in Kataloge übersetzt werden, und die Plugins, für die es eine Antwort braucht. Ein Shop mit Standard-Theme und einer Kundengruppe zieht in Wochen um, einer mit Dutzenden Erlebniswelten, Konfigurator und mehreren Preislisten braucht Monate. Wie sich die Phasen zeitlich verteilen, steht in unserem Beitrag zur Dauer einer Shop-Migration.
Bei den Kosten gilt dasselbe Muster: Der Datenimport ist selten der große Posten, die Übersetzung der Geschäftslogik ist es. Rechne für einen Shopware-Wechsel je nach Sonderfällen mit einem Projekt im vierstelligen bis fünfstelligen Bereich, und rechne die laufenden Kosten mit ein: Shopify-Plan, Apps für das, was in Shopware Plugin oder Kernfunktion war, und gegebenenfalls Plus. Welche Kostenblöcke eine Migration hat und wo Sparen teuer wird, liest du im Beitrag zu den Kosten einer Shop-Migration.
Wann solltest du bei Shopware bleiben?
Bleib bei Shopware, wenn dein Shop von Dingen lebt, die Shopify nicht oder nur mit Plus kann. Das ist keine Schwäche von Shopify, sondern eine Frage der Passung. Vier Fälle sehen wir immer wieder:
- Konfiguratoren und Produkte mit mehr als drei Optionen. Wenn deine Produkte aus abhängigen Eigenschaften entstehen und sich nicht sinnvoll teilen oder zusammenlegen lassen, ist das Shopify-Modell zu eng.
- Viele Kundengruppen mit eigenen Preislisten. Drei B2B-Kataloge ohne Plus reichen für die meisten Händler, aber nicht für alle. Wer für jede Händlergruppe eigene Preise, Zahlungsbedingungen und Sichtbarkeiten braucht, landet bei Shopify Plus oder bleibt bei Shopware 6.
- Ein Checkout, der dein Geschäft ist. Wenn du in Shopware eigene Checkout-Schritte gebaut hast, etwa für Genehmigungen, Projektnummern oder Sonderkonditionen, kommst du in Shopify ohne Plus nicht weit. Apps auf der Informations-, Versand- und Zahlungsseite des Checkouts sind Plus vorbehalten.
- Hosting in eigener Hand. Shopify ist ein gehostetes System; deine Daten liegen bei Shopify und seinen Subunternehmern, unter anderem in den USA und Kanada, abgesichert über Standardvertragsklauseln und verbindliche Unternehmensregeln. Wer aus vertraglichen oder eigenen Gründen die Infrastruktur selbst bestimmen muss, bleibt bei einem System, das er selbst hosten kann.
Und ein fünfter Fall, der oft übersehen wird: Ein gepflegtes, aktuelles Shopware 6, das stabil läuft und niemanden bremst, ist kein Migrationskandidat. Ein Umzug nur wegen schönerer Technik ist selten sein Geld wert.
Fazit: erst übersetzen, dann umziehen
Von Shopware zu Shopify kommen die Stammdaten mit: Produkte, Varianten, Kategorien, Kunden, Bestellungen, jeweils auf ihrem eigenen Weg. Neu entstehen Erlebniswelten, Plugin-Funktionen, Rechtstexte und Logins. Und übersetzt werden müssen Eigenschaften, Kundengruppen und URLs, weil Shopify flacher und strenger ist als Shopware. Wer diese Übersetzung vor dem ersten Import festlegt, bekommt einen unspektakulären Umzug. Wer sie überspringt, merkt es beim ersten Filter, der nichts findet, und beim ersten Kunden, der seine alte Kategorie-URL aufruft.
Wenn du wissen willst, ob dein Shopware-Shop nach Shopify passt, erzähl uns kurz von deinem Sortiment und deinem Setup. Wir schauen plattformneutral drauf, im kostenlosen Erstgespräch, und sagen dir ehrlich, was mitkommt, was neu entsteht und was der Umzug als Festpreis nach der Analyse kosten würde. Manchmal ist die ehrliche Antwort auch: Bleib, wo du bist, und geh auf Shopware 6. Und wenn du erst einmal selbst sortieren willst, was bei dir alles dranhängt, hilft dir der Migrations-Check auf unserer Seite zur Shop-Migration.