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Shopify · 20. September 2026 · 15 Min. Lesezeit

Von JTL-Shop zu Shopify: Wawi behalten oder ersetzen?

JTL zu Shopify: ob deine JTL-Wawi beim Wechsel bleibt, was der JTL-Connector überträgt und was nicht, und wann der Komplett-Umzug mit neuer Wawi klüger ist.

von Benedict Mühlberger

Teil 4 von 16 im Themen-Guide Shopify-Migration

Ja, deine JTL-Wawi kann bleiben, wenn du JTL-Shop durch Shopify ersetzt. Der offizielle JTL-Connector für Shopify überträgt Artikel, Varianten, Bestände, Preise samt Grundpreisen und Kategorien in den neuen Shop und holt Aufträge und Kunden zurück in die Wawi. Was er nicht abdeckt, sind Theme, Weiterleitungen, Bestellhistorie und Kundenkonten: Das planst du separat. Die Alternative ist der Komplett-Umzug mit einer anderen Warenwirtschaft oder mit Shopify plus Apps, und welcher Weg passt, entscheidet sich weniger an Shopify als daran, wie viel deines Geschäfts heute in der Wawi steckt.

Dieser Artikel geht beide Wege durch: was der Connector laut JTL-Dokumentation bewegt, welche Fragen JTL-Händler im Forum stellen und was dahintersteckt, und wann du besser bei JTL-Shop bleibst. Er ist Teil unseres Themen-Guides zur Shopify-Migration, der Ablauf, Go-live-Tag und Kosten für alle Quellsysteme gemeinsam beschreibt. Hier bleiben wir bei dem, was JTL besonders macht: der Wawi.

Warum denken JTL-Händler über Shopify nach?

Weil bei vielen JTL-Setups nicht die Wawi das Problem ist, sondern der Shop davor. JTL-Wawi tut still ihre Arbeit: Artikel pflegen, Lager führen, Aufträge abwickeln, Rechnungen schreiben, Marktplätze bedienen. JTL-Shop dagegen läuft auf einem eigenen Server oder bei einem Hoster, braucht Updates, ein Template und Plugins, und jede dieser Stellen kostet Aufmerksamkeit oder Dienstleisterstunden. Wer den Shop als Baustelle erlebt und die Wawi als Fundament, fragt sich irgendwann, ob sich nur die Baustelle tauschen lässt.

Genau diese Frage taucht im JTL-Forum regelmäßig auf, in Threads mit Titeln wie „Wechsel von Shop 5 zu Shopify?“ oder „Shopify App oder Connector?“. Auffällig ist, worum es dort geht: fast nie um Shopify als Plattform, fast immer um die Wawi. Bleibt sie? Was kommt über den Connector an? Was ist mit Merkmalen, Grundpreisen, Steuersätzen? Das sind Betriebsfragen, und deshalb behandelt dieser Artikel sie ausführlicher als Theme oder Checkout.

Was Shopify dafür bietet, ist bekannt: gehostet, ohne eigene Updates, mit Theme-Store, App-Ökosystem und einem Checkout, den du nicht selbst absichern musst. Ehrlich ist aber auch: Shopify ist nicht automatisch günstiger. Plan und Apps kosten monatlich, und der JTL-Connector rechnet importierte Aufträge über das Auftragspaket ab. Was wir auf Shopify bauen und im Tagesgeschäft betreuen, steht auf unserer Shopify-Seite.

Weg 1: Wawi behalten, Shop tauschen

Der Weg mit den wenigsten Änderungen ist der, bei dem JTL-Wawi dein führendes System bleibt und Shopify nur Schaufenster und Kasse ersetzt. JTL-Software bietet dafür den offiziellen JTL-Connector für Shopify an. Laut JTL-Guide zum Connector, Stand September 2026, synchronisiert er Artikel, Varianten, Bestände, Preise inklusive Grundpreisen und Kategorien als Kollektionen in Richtung Shopify und holt Aufträge und Kunden zurück in die Wawi. Installiert wird er ohne eigenen Server über das JTL-Kundencenter beziehungsweise aus der Wawi heraus.

Auf Shopify-Seite steckt dahinter die App „JTL ERP-Connector“ von JTL-Software. Im Shopify App Store, Stand September 2026, ist sie kostenlos installierbar, importierte Aufträge werden über das Auftragspaket abgerechnet, die App ist nur auf Deutsch verfügbar und steht bei einer Bewertung von 2,6 von 5 Sternen bei 6 Rezensionen. So wenige Stimmen sagen wenig über die Technik, aber sie zeigen, dass Erwartung und Ergebnis auseinanderliegen können, wenn niemand vorher testet. Wichtig: Für Shops, die ab dem 24.01.2024 erstellt wurden, ist die Übertragung personenbezogener Daten eingeschränkt, laut JTL braucht es dann mindestens das Grow-Paket beziehungsweise ein Abo über den App Store. Da dein Shopify-Shop bei einer Migration neu entsteht, betrifft dich das in jedem Fall.

Der entscheidende Gedanke bei diesem Weg: Du exportierst nichts aus JTL-Shop. Die Wawi legt die Artikel in Shopify neu an, so wie sie heute JTL-Shop befüllt. Das nimmt dem Projekt einen ganzen Block Arbeit, das Feld-Mapping der Produktdaten, und ersetzt ihn durch zwei Fragen: Sind meine Wawi-Daten so gepflegt, dass Shopify daraus einen guten Shop macht? Und wie komme ich an alles, was der Connector nicht anfasst?

Entscheidungsbaum: Bleibt die JTL-Wawi führend? Ja führt zu Weg 1 mit Connector, Nein zu Weg 2 mit Komplett-Umzug und neuer Warenwirtschaft

In der Praxis läuft Weg 1 so: Shopify-Shop anlegen, Connector installieren und mit der Wawi verbinden, mit einer Handvoll Artikeln testen, prüfen, wie Varianten, Grundpreise, Kategorien und Bilder ankommen, dann den Abgleich über das ganze Sortiment laufen lassen. Parallel entstehen Theme, Seiten, Rechtstexte und Weiterleitungen. Erst wenn Testbestellungen sauber in der Wawi landen und der Rückweg für Bestände stimmt, wird die Domain umgestellt. Wie lang das dauert, hängt weniger an der Technik als an der Zahl der Sonderfälle; die Einordnung steht in unserem Artikel zur Dauer einer Shop-Migration.

Wie wenig davon in Shopify selbst passiert, sieht man der App an. Nach der Installation zeigt sie im Adminbereich keine Import-Maske, sondern eine Quickstart-Strecke aus vier Schritten, die alle nach außen führen: JTL-Kundenkonto anlegen, JTL-Wawi herunterladen, installieren, Wawi mit dem Kundencenter verbinden und Lizenzen aktualisieren. Erst danach wird der Knopf „Mit JTL verbinden“ interessant.

Die App „JTL ERP-Connector“ im Shopify-Adminbereich zeigt eine Quickstart-Anleitung mit vier Schritten: JTL-Kundenkonto erstellen, JTL-Wawi herunterladen, installieren und mit dem Kundencenter verbinden, darunter der Knopf „Mit JTL verbinden“

Zwei Hinweise in diesem Dialog sind für die Planung wichtiger, als sie aussehen. Der erste steht bei Schritt 2: JTL-Wawi ist ein Windows-Programm, und wer kein Windows nutzt, mietet das Hosting bei JTL dazu. Der zweite steht bei Schritt 4: Wer mehr als einen Shop an dieselbe Wawi hängt, etwa den alten JTL-Shop während der Übergangszeit und parallel den neuen Shopify-Shop, braucht die Multishop-Lizenz. Genau dieser Parallelbetrieb ist aber die sicherste Art zu migrieren, weil du den neuen Shop mit echten Daten füllst, bevor die Domain umzieht. Das gehört vor dem Projekt geklärt und nicht am Testtag.

Weg 2: Komplett-Umzug ohne JTL-Wawi

Der Komplett-Umzug lohnt sich, wenn die Wawi selbst der Grund für den Wechsel ist oder wenn dein Geschäft so schlank ist, dass Shopify plus ein paar Apps ausreichen. Dann ersetzt du nicht nur den Shop, sondern führst eine neue Warenwirtschaft ein oder verzichtest bewusst auf eine. Beides ist ein größeres Projekt als Weg 1, weil zwei Systeme gleichzeitig neu sind und weil du die Daten jetzt wirklich migrierst, statt sie synchronisieren zu lassen.

Für die Wawi-Frage gibt es im deutschsprachigen Raum mehrere Anbieter mit Shopify-Anbindung: Billbee, Xentral, weclapp und Pickware, das es seit 2022 auch für Shopify gibt. Welche passt, entscheidet dein Prozess: Marktplätze, Lagerführung, Rechnungsstellung, DATEV-Export. Nimm dir für diese Auswahl Zeit, sie ist wichtiger als die Theme-Wahl.

Für die Daten selbst gibt es keinen fertigen Importer: Shopifys eigene Store-Migration-App kennt WooCommerce, Wix, Etsy, Amazon, eBay und einige andere Quellen, aber nicht JTL-Shop, und auch Next-Cart führt JTL-Shop nicht in seiner Liste. Der Weg läuft deshalb über CSV oder ein Tool wie Matrixify: Produktdaten dort exportieren, wo sie führend gepflegt werden (in den meisten JTL-Setups ist das die Wawi), in das Shopify-Produktformat übersetzen, mit wenigen Produkten testen, dann komplett importieren. Wie dieses Mapping im Detail aussieht, steht in unserem Artikel zur Produktdaten-Migration nach Shopify. Kunden importierst du per Kunden-CSV, Bestellungen gehen nur per App oder API, dazu gleich mehr.

Kostenseitig gilt für beide Wege, was für jede Migration gilt: keine seriöse Zahl vor der Analyse, nur eine Spanne von vierstellig bis fünfstellig, je nach Datenqualität, Sonderfällen und Anbindungen. Weg 2 liegt in der Regel höher, weil die Wawi-Einführung dazukommt. Welche Blöcke den Preis bestimmen, erklärt unser Artikel zu den Kosten einer Shop-Migration.

Was macht der JTL-Connector, und was macht er nicht?

Der Connector bewegt Stammdaten in Richtung Shopify und Bewegungsdaten zurück in die Wawi, und alles, was in Shopify selbst entstehen muss, bleibt deine Aufgabe. Die folgende Tabelle trennt beides. Die Zeilen mit „ja“ stehen so im JTL-Guide, Stand September 2026; alles andere ist dort nicht als Teil des Abgleichs dokumentiert und muss anders gelöst werden.

Daten Richtung Über den Connector? Woran du denken musst
Artikel und Varianten Wawi → Shopify ja höchstens 3 Optionen und bis zu 2.048 Varianten je Produkt
Bestände Wawi → Shopify ja Lagerlogik bleibt in der Wawi, Shopify zeigt nur den Stand
Preise und Grundpreise Wawi → Shopify ja Grundpreis ist in Shopify nativ, Einheiten sauber pflegen
Kategorien Wawi → Shopify als Kollektionen ja Hierarchie nur über Menü und Filter, nicht über die Kollektion
Aufträge Shopify → Wawi ja Abrechnung über das Auftragspaket
Kunden Shopify → Wawi ja, mit Einschränkung personenbezogene Daten bei neuen Shops nur mit Grow-Paket oder App-Store-Abo
Kundenpasswörter keine nein lassen sich nie migrieren, neue Kundenkonten sind passwortlos
Bestellhistorie aus JTL-Shop keine nein bleibt in der Wawi, Shopify zählt ab #1001 neu
Theme, Seiten, Blog keine nein neu aufbauen, Inhalte per Hand oder Tool übernehmen
Weiterleitungen keine nein Alt-URLs per CSV in Shopify importieren
Bewertungen keine nein exportieren und in eine Review-App importieren

Zwei Zeilen verdienen einen zweiten Blick. Bei den Kategorien legt der Connector Kollektionen an, aber Shopify kennt keine verschachtelten Kategorien mit Pfad-URLs: Eine Kollektion ist eine flache Liste, und die Baumstruktur deines Sortiments entsteht nur über das Menü (oberste Ebene plus zwei Dropdown-Ebenen) und über Filter. Bei den Varianten gilt laut Shopify-Hilfe, Stand September 2026: höchstens drei Optionen je Produkt, seit Oktober 2025 bis zu 2.048 Varianten auf allen Plänen. Artikel mit mehr als drei Variationsdimensionen brauchen vor dem ersten Abgleich eine Entscheidung, welche drei Dimensionen Optionen werden und was als Metafeld oder eigenes Produkt weiterlebt.

Der JTL-Connector ist eine Synchronisation, kein Umzugswagen: Er bewegt Stammdaten und Aufträge, aber nicht deinen Shop.

Welche Fragen stellen JTL-Händler im Forum, und was steckt dahinter?

Die Fragen im JTL-Forum kreisen fast immer um dieselbe Lücke: JTL-Wawi kennt Datenfelder, für die Shopify keinen direkten Gegenpart hat. Die folgenden Punkte sind Erfahrungsberichte aus Forum und Community, keine Messwerte und keine Aussagen über den Connector im Einzelnen. Was dahintersteckt, erklärt das Shopify-Datenmodell.

Merkmale und Attribute. In der Wawi kannst du an einen Artikel beliebig viele Merkmale hängen. Shopify hat auf Produktebene genau drei Optionen, die Varianten bilden, und sonst nichts Strukturiertes. Alles Weitere landet in Metafeldern (strukturierte Zusatzfelder, für die du Definitionen anlegst) oder in Tags. Prüfe im Testlauf, wo deine Merkmale ankommen, und lege vorher fest, welche als Metafeld mit Filter und Anzeige im Theme gebraucht werden. Die Zahl der Metafeld-Definitionen ist begrenzt (256 je Ressourcentyp, dazu 256 je App), was bei gepflegten Merkmalslisten reicht, bei Wildwuchs nicht.

Tags. Tags sind in Shopify freier Text am Produkt, praktisch für automatische Kollektionen („alle Produkte mit Tag Sale“) und Filter, aber ohne Struktur. Was in der Wawi ein Merkmal mit Wert ist, wird als Tag zu einem Wort. Für die Navigation reicht das oft, für ein Datenblatt auf der Produktseite nicht.

GPSR-Angaben. Herstellerangaben und die verantwortliche Person in der EU gehören seit der Produktsicherheitsverordnung auf die Produktseite. In Shopify löst man das in der Regel über Metafelder, die das Theme anzeigt. Ob und wie sie aus der Wawi ankommen, ist eine der häufigsten Forenfragen; die Antwort liefert nur dein eigener Testlauf mit dem aktuellen Connector-Stand.

Grundpreise. Hier ist Shopify besser als sein Ruf: Der Grundpreis ist laut Shopify-Hilfe, Stand September 2026, eine native Funktion je Variante, die OS-2.0-Themes auf Produkt-, Kollektions-, Warenkorb- und Checkout-Seite automatisch anzeigen. Zwei Haken: Die Einheit muss in allen Märkten dieselbe sein, und einige Einheiten fehlen. Pflege Grundmenge und Einheit in der Wawi einheitlich, dann hat der Abgleich eine saubere Grundlage.

Mehrwertsteuersätze. In der Wawi hängt der Steuersatz als Steuerklasse am Artikel. Shopify berechnet Steuern aus den Steuereinstellungen je Region und kennt Ausnahmen über Steuer-Überschreibungen je Kollektion. Ermäßigte Sätze, etwa für Bücher oder Lebensmittel, brauchen deshalb eine eigene Kollektion mit passender Überschreibung. Das ist Shopify-Einrichtung, kein Connector-Thema, und gehört auf die Checkliste vor der ersten echten Bestellung.

SKU-Abgleich. Shopify führt die SKU auf Variantenebene und verlangt keine Eindeutigkeit. Doppelte oder fehlende SKUs in der Wawi führen beim Abgleich zu genau den Verwechslungen, die im Forum beschrieben werden. Bereinige SKUs vor dem ersten Lauf, das ist billiger als jede Nacharbeit.

Doppelte Handles. Shopify bildet aus dem Produkttitel den Handle, also den URL-Teil: kleingeschrieben, Sonderzeichen zu Bindestrichen, bei gleichem Titel hochgezählt („tasse“, „tasse-1“). Zwei Artikel mit gleichem Namen bekommen so unschöne URLs, und dein Redirect-Mapping zeigt womöglich auf den falschen. Eindeutige Artikelnamen in der Wawi sind deshalb auch eine SEO-Maßnahme.

Filter-Workarounds. Wer in JTL-Shop nach Merkmalen filtern konnte, braucht in Shopify die Search-&-Discovery-App: Sie filtert nach Optionen, Tags, Metafeldern und Standardfeldern, mit höchstens 25 Filtern je Shop und ohne Filter bei Kollektionen über 5.000 Produkten. Das reicht für die meisten Sortimente, nicht für einen technischen Katalog mit Dutzenden Parametern.

Zwei Systeme bei Storno und Erstattung. Nach dem Wechsel lebt jede Bestellung zweimal: in Shopify (Zahlung, Kundenkonto) und in der Wawi (Lager, Rechnung, Versand). Wer storniert wo, wer erstattet wo? Die Antwort aus den Erfahrungsberichten ist Organisation: eine feste Regel, welches System bei Storno, Teilerstattung und Retoure führt, und ein Test jedes Falls vor dem Go-live.

Wie ziehen Produktdaten, Kategorien und Kunden um?

Auf Weg 1 ziehen sie nicht um, sondern werden von der Wawi in Shopify neu angelegt; auf Weg 2 exportierst du sie und importierst sie per CSV oder Tool. In beiden Fällen entscheidet das Shopify-Datenmodell, wie gut sie ankommen, und das unterscheidet sich von JTL an drei Stellen.

Erstens das Produkt: Ein Shopify-Produkt hat bis zu drei Optionen (etwa Größe, Farbe, Material), aus denen Varianten entstehen, und jede Variante trägt SKU, Preis, Bestand und Grundpreis. Alles, was keine Option ist, wird Metafeld. Zweitens die Kategorien: keine Baumstruktur, sondern flache Kollektionen, und die Hierarchie baust du im Menü nach; ein Sortiment mit fünf Kategorie-Ebenen wird auf drei Menü-Ebenen abgeflacht, der Rest wird Filter. Drittens die Bilder: Auf Weg 1 prüfst du im Testlauf, wie sie ankommen; auf Weg 2 müssen sie beim CSV-Import über öffentlich erreichbare URLs kommen.

Bei den Kunden trennst du zwei Dinge. Der Connector bringt Kunden mit ihren Aufträgen aus Shopify in die Wawi. Sollen Bestandskunden im neuen Shop ein Konto vorfinden, importierst du sie zusätzlich per Kunden-CSV. Passwörter kommen dabei nie mit, weder per CSV noch per API noch mit einem Tool. Bei den aktuellen Shopify-Kundenkonten wiegt das weniger als früher, weil sie passwortlos arbeiten: Der Kunde bekommt beim Login einen Code per E-Mail. Wie du Import und Kommunikation planst, steht in unserem Artikel zur Migration von Kundenkonten.

Bei den Bestellungen ist die Antwort für JTL-Händler einfacher als für andere: Die Historie bleibt in der Wawi, wo sie ohnehin führend ist, und Shopify startet neu. Laut Shopify-Hilfe, Stand September 2026, lassen sich Bestellungen nicht über den Admin importieren, nur per Migrations-App oder API, und die Bestellnummern beginnen fix bei #1001, änderbar sind nur Präfix und Suffix. Rechnungen schreibt weiterhin die Wawi mit ihrem eigenen Nummernkreis. Wann sich ein Import der Historie trotzdem lohnt, etwa für den Kundenservice, klärt unser Artikel zur Bestellhistorie bei der Shopify-Migration.

Datenfluss zwischen JTL-Wawi und Shopify: Artikel, Bestände, Preise und Kategorien laufen zu Shopify, Aufträge und Kunden zurück in die Wawi, Marktplätze bleiben an der Wawi

Was passiert mit Marktplätzen, Versand und Buchhaltung?

Auf Weg 1 ändert sich hier fast nichts, weil Marktplätze, Versand und Buchhaltung an der Wawi hängen und nicht am Shop. Amazon, eBay, Otto und Kaufland bleiben dort angebunden, Lieferscheine und Rechnungen kommen weiter von dort, die Buchhaltung bekommt ihre Daten wie bisher. Shopify ist in diesem Bild ein weiterer Verkaufskanal neben den Marktplätzen, nicht die Zentrale.

Wer auf Weg 2 ohne Wawi plant, sollte wissen, was Shopify selbst kann: Der Kanal Marketplace Connect verbindet laut Shopify-Hilfe, Stand September 2026, Amazon und eBay sowie zwei US-Marktplätze. Otto und Kaufland erreichst du nur über Drittanbieter-Apps wie Hello Pine oder M2E oder eben über eine Wawi. DHL-Deutschland-Labels lassen sich direkt im Shopify-Admin erstellen, aber nur innerdeutsch und nur mit Fulfillment-Standort in Deutschland; internationale Sendungen laufen über Apps. Für DATEV, sevdesk oder Lexware Office brauchst du in jedem Fall eine App. Wer heute von der Wawi verwöhnt ist, merkt an diesen Stellen, wie viel sie leise übernimmt.

Ein Punkt betrifft beide Wege: die Zahlungsarten. Shopify Payments ist in Deutschland verfügbar und bringt Karten, Apple Pay, Google Pay, Shop Pay und Klarna mit (Rechnung, Sofortzahlung, Ratenkauf). PayPal ist ein separater Anbieter, den du zusätzlich anbindest, bei aktivem Shopify Payments ohne Drittanbieter-Transaktionsgebühren. SEPA-Lastschrift ist nicht Teil von Shopify Payments; wenn Lastschrift oder Vorkasse bei dir wichtig sind, plane das vor dem Wechsel.

Wie bleiben Rankings erhalten?

Indem jede URL deines JTL-Shops, die Google und deine Kunden kennen, eine Weiterleitung auf die passende Shopify-URL bekommt, bevor die Domain umzieht. Der Grund ist die feste URL-Struktur: Shopify hängt jedes Produkt unter /products/, jede Kollektion unter /collections/, jede Seite unter /pages/, und diese Präfixe lassen sich nicht ändern; die Handles dahinter entstehen aus dem Titel. Deine bisherigen Pfade passen damit praktisch nie eins zu eins, und der Connector kümmert sich nicht um URLs.

Shopify bringt dafür native 301-Weiterleitungen mit, die sich laut Shopify-Hilfe, Stand September 2026, per CSV importieren lassen. Drei Eigenheiten musst du kennen: Sie greifen nur, wenn der alte Pfad in Shopify ein 404 liefert; Pfade, die mit /products, /collections, /cart oder /orders beginnen, lassen sich nicht umleiten; und das Limit liegt bei 100.000 Weiterleitungen im Standard. Für JTL-Shops ist die zweite Regel selten ein Problem, weil die alten Pfade anders aussehen; das Limit wird nur bei sehr großen Sortimenten knapp.

Praktisch heißt das: URL-Inventur aus Crawl, Search Console und Analytics, Mapping jeder alten URL auf ein Ziel, Import vor dem Go-live, Kontrolle danach. Prüfe im Testlauf auch, welchen Handle der Connector aus deinen Artikelnamen erzeugt, denn der Handle ist die neue URL. Den ganzen Ablauf bis zur Sitemap in der Search Console beschreibt unser Artikel zu SEO bei der Shopify-Migration.

Wann solltest du bei JTL-Shop bleiben?

Wenn dein Shop von Funktionen lebt, die Shopify nicht mitbringt, oder wenn der Connector dir im Test mehr Handarbeit einbrockt, als der Wechsel spart. Vier Situationen sprechen ernsthaft gegen den Wechsel:

  • Produkte mit mehr als drei Variationsdimensionen oder echte Konfiguratoren. Was sich in Shopify nicht auf drei Optionen und Metafelder herunterbrechen lässt, wird zur App-Landschaft mit eigenem Pflegeaufwand.
  • B2B mit vielen Kundengruppen und Staffelpreisen. Shopify B2B gibt es seit dem 02.04.2026 auf allen Plänen, aber ohne Plus mit höchstens drei Katalogen, und die USt-IdNr.-Prüfung läuft nur mit Shopify Tax und nicht im B2B-Checkout. Wer heute mit Dutzenden Kundengruppen arbeitet, sollte das vorher gegenrechnen.
  • Lastschrift, Vorkasse und individuelle Checkout-Regeln. SEPA-Lastschrift ist nicht Teil von Shopify Payments, und Apps in den Checkout-Schritten für Adresse, Versand und Zahlung sind nur mit Shopify Plus möglich.
  • Ein gepflegter Shop, bei dem nur das Design stört. Dann ist ein neues Template im bestehenden JTL-Shop meist günstiger als eine Migration mit Connector-Projekt, Weiterleitungen und Testphase.

Typischer Fall: Ein Händler mit ein paar tausend Artikeln, Amazon und eBay über die Wawi, Rechnungen und Lieferscheine aus der Wawi. Der Shop ist alt, die Wawi gepflegt. Ein klarer Kandidat für Weg 1: Connector, Theme, Weiterleitungen, Testbestellungen, Umstellung; an Marktplätzen, Lager und Buchhaltung ändert sich nichts. Derselbe Händler mit einem technischen Katalog, in dem jeder Artikel zwanzig filterbare Merkmale trägt, wäre mit einem neuen Template bei JTL vermutlich besser bedient.

Manchmal ist die ehrliche Antwort also: bleib, wo du bist. Wir sagen das auch, wenn es uns einen Auftrag kostet, weil eine Migration, die dein Geschäft nicht besser macht, niemandem nützt.

Fazit: Erst die Wawi-Frage, dann alles andere

Die Wawi-Frage entscheidet dein Projekt. Bleibt JTL-Wawi führend, ist der Wechsel ein Schaufenster-Tausch mit Connector, Theme und Weiterleitungen, und die Arbeit steckt in Datenpflege und Testläufen. Ersetzt du die Wawi, migrierst du wirklich, mit CSV, Tool und neuer Systemlandschaft. Beides ist machbar, beides hat seinen Preis, keines ist ein Knopfdruck.

Wenn du wissen willst, welcher Weg zu deinem Setup passt: Erzähl uns von deinem JTL-Shop. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir uns Wawi, Sortiment und Anbindungen an, plattformneutral und ohne Vorentscheidung für Shopify. Danach bekommst du einen Festpreis für den Weg, der Sinn ergibt, oder die ehrliche Empfehlung, bei JTL zu bleiben. Wer sich vorher selbst einen Überblick verschaffen will, findet auf unserer Seite zur Shop-Migration den Migrations-Check.

FAQ

Häufige Fragen.

Ja. JTL-Software bietet den offiziellen JTL-Connector für Shopify an. Die Wawi bleibt führendes System und überträgt Artikel, Varianten, Bestände, Preise samt Grundpreisen und Kategorien nach Shopify, Aufträge und Kunden laufen zurück in die Wawi. Für Shops, die ab dem 24.01.2024 erstellt wurden, ist die Übertragung personenbezogener Daten eingeschränkt; laut JTL braucht es dann mindestens das Grow-Paket oder ein Abo über den App Store.

Der Connector synchronisiert Stammdaten und Aufträge, er zieht keinen Shop um. Theme, Seiten, Blog, Weiterleitungen alter URLs, Bewertungen und die Bestellhistorie aus JTL-Shop sind im JTL-Guide nicht als Teil des Abgleichs beschrieben. Kundenpasswörter lassen sich grundsätzlich nicht nach Shopify übertragen. Wie Merkmale, GPSR-Angaben und Steuersätze ankommen, prüfst du am besten in einem Testlauf mit wenigen Artikeln, bevor der volle Abgleich läuft.

Wenn die JTL-Wawi bleibt, ja: Marktplätze wie Amazon, eBay, Otto und Kaufland hängen an der Wawi, nicht am Shop, und laufen nach dem Wechsel unverändert weiter. Ohne Wawi verbindet Shopifys Marketplace Connect Amazon und eBay; Otto und Kaufland erreichst du nur über Drittanbieter-Apps wie Hello Pine oder M2E oder über eine andere Warenwirtschaft mit Shopify-Anbindung.

Nicht eins zu eins. Shopify kennt je Produkt höchstens drei Optionen, aus denen Varianten entstehen; alle weiteren Merkmale müssen Metafelder oder Tags werden. Tags sind freier Text und eignen sich für automatische Kollektionen und Filter, Metafelder tragen strukturierte Werte für Anzeige und Filter. Lege vor dem ersten Abgleich fest, welche Merkmale du wofür brauchst, und kontrolliere im Testlauf, wo sie ankommen.

Nein. Bei einem JTL-Setup liegt die Bestellhistorie in der Wawi, und dort bleibt sie auch nach dem Wechsel. Shopify startet mit neuen Bestellungen ab der Nummer 1001, nur Präfix und Suffix lassen sich anpassen. Ein Import alter Bestellungen ist nur per Migrations-App oder API möglich und lohnt sich vor allem, wenn Kunden ihre Historie im Kundenkonto sehen sollen.

Das hängt vom Weg ab. Bleibt die Wawi und befüllt Shopify über den Connector, liegt die Arbeit in Datenpflege, Theme, Weiterleitungen und Testläufen; das sind eher Wochen als Tage. Ein Komplett-Umzug mit neuer Warenwirtschaft dauert deutlich länger, weil zwei Systeme gleichzeitig eingeführt und die Daten wirklich migriert werden. Eine belastbare Einschätzung gibt es erst nach einem Blick auf Sortiment und Anbindungen.

Themen-Guide

16 Teile

Shopify-Migration: alle Teile.

Der Themen-Guide für den Wechsel zu Shopify: welche Systeme wie umziehen, was mitkommt, wo die Fallstricke liegen und wie Rankings, Kunden und Bestellungen sicher ankommen.

  1. 01Der LeitfadenLeitfaden
  2. 02Von Shopware
  3. 03Von WooCommerce
  4. 04Von JTLDu bist hier
  5. 05Von Magento
  6. 06Von Gambio
  7. 07Vom Baukasten
  8. 08Produktdaten
  9. 09Kundenkonten
  10. 10Bestellhistorie
  11. 11SEO & Redirects
  12. 12Anbindungen
  13. 13Recht & DSGVO
  14. 14Kosten
  15. 15Werkzeuge
  16. 16B2B & Plus

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