Eine vollständige Shop-Migration Checkliste umfasst acht Phasen: Vorbereitung und Inventur, Plattformwahl, Aufbau und Design, Datenübernahme, SEO-Vorbereitung, Testing, den Go-live-Tag und die Nachsorge. Diese Seite führt dich in genau dieser chronologischen Reihenfolge durch alle Schritte, vom ersten URL-Export bis zur Abschaltung des alten Shops. Sie ist das praktische Gegenstück zu unserem großen Leitfaden zur Shop-Migration: Dort steht das Warum hinter jedem Schritt, hier steht das Was zum Abhaken.
So nutzt du die Liste am besten: einmal komplett durchlesen, damit du das Gesamtbild kennst, dann Phase für Phase abarbeiten. Nicht jeder Punkt gilt für jeden Shop. Ein kleiner Shop ohne Warenwirtschaft kann die Schnittstellen-Punkte kürzen, ein B2B-Shop braucht bei Kundengruppen und Preislogik mehr Tiefe. Streiche, was nicht passt, aber streiche bewusst. Und wenn eine Agentur die Migration umsetzt, gib ihr diese Liste einfach mit: Sie taugt als Briefing, als Angebotsgrundlage und als gemeinsamer Projektstand.
Die Liste ist bewusst plattformneutral gehalten. Ob du zu Shopify, Shopware, WooCommerce oder Adobe Commerce wechselst, ändert einzelne Werkzeuge, aber nicht die Reihenfolge der Schritte. Ein Umzug bleibt ein Umzug: erst ausmisten und packen, dann transportieren, dann auspacken und prüfen, ob alles heil angekommen ist.
Eine Migration scheitert selten an der Technik. Sie scheitert an den Punkten, die niemand aufgeschrieben hat.
Phase 1: Vorbereitung und Inventur
Bevor irgendjemand ein neues System anfasst, brauchst du ein vollständiges Bild deines alten Shops. Diese Phase ist unspektakulär, entscheidet aber über alles Weitere: Was jetzt nicht im Inventar steht, fehlt später im neuen Shop, und niemand merkt es bis zur ersten Kundenbeschwerde.
- URL-Inventar erstellen: Exportiere alle indexierten URLs aus Search Console, Sitemap und einem Crawl deines Shops. Diese Liste ist später die Grundlage für alle Weiterleitungen.
- Funktions-Inventar anlegen: Notiere jede Funktion, die dein Shop heute kann: Rabattlogik, Kundengruppen, Filter, Gutscheine, Plugins, Sonderlocken. Gerade die unscheinbaren Funktionen werden am häufigsten vergessen.
- Datenexport prüfen: Exportiere testweise Produkte, Kunden und Bestellungen. Wenn dein Altsystem keine sauberen Exporte liefert, willst du das jetzt wissen, nicht drei Tage vor dem Umzugstermin.
- Ziele definieren: Warum migrierst du überhaupt? Schnellerer Shop, niedrigere laufende Kosten, mehr Funktionen, weg vom Lock-in? Klare Ziele entscheiden später jede Streitfrage im Projekt.
- Budget und Zeitrahmen festlegen: Setze eine realistische Spanne statt eines Wunschtermins. Eine Migration dauert eher Monate als Wochen, und ein Puffer ist keine Schwäche, sondern Planung.
Phase 2: Plattformwahl und Konzept
Die Plattform wählst du anhand deiner Anforderungen, nicht nach Bauchgefühl oder danach, was gerade alle nehmen. Dein Funktions-Inventar aus Phase 1 ist dafür die wichtigste Quelle.
- Anforderungsliste schreiben: Mach aus dem Funktions-Inventar eine Muss- und eine Kann-Liste. Alles, was der neue Shop zwingend können muss, steht damit schwarz auf weiß.
- Systeme vergleichen: Halte Shopify, Shopware, WooCommerce und Adobe Commerce gegen deine Anforderungen. Eine ehrliche Entscheidungshilfe bekommst du in unserem Vergleich, welche Shop-Plattform zu dir passt.
- Festpreis-Angebot einholen: Auf Basis deiner Inventarlisten kann ein Dienstleister seriös kalkulieren. Wir setzen Shop-Migrationen genau so um: kostenloses Erstgespräch, dann ein fester Preis ohne Nachträge.
- Projektplan aufstellen: Meilensteine, Verantwortlichkeiten, ein grober Go-live-Korridor. Es braucht kein Projektkunstwerk, aber jeder muss wissen, wer was bis wann liefert.
Ein ehrlicher Einschub an dieser Stelle: Wenn dein aktueller Shop stabil läuft und dich nur ein einzelnes Problem stört, prüfe zuerst, ob es sich im Bestandssystem lösen lässt. Eine Migration ist das große Besteck, und nicht jedes Problem rechtfertigt diesen Aufwand.
Phase 3: Aufbau und Design
In dieser Phase entsteht der neue Shop in einer geschützten Umgebung, während der Altshop ganz normal weiterverkauft. Nichts davon ist öffentlich, alles darf hier noch schiefgehen.
- Theme und Design umsetzen: Egal ob angepasstes Standard-Theme oder Eigenentwicklung: Teste das Design früh mit echten Produktdaten, nicht mit drei Beispielartikeln. Lange Produktnamen und krumme Preise decken Designfehler schneller auf als jede Abnahmerunde.
- Funktionen nachbauen: Arbeite die Muss-Liste aus Phase 2 ab und hake jede Funktion einzeln ab. „Macht das neue System schon irgendwie" ist keine Abnahme.
- Schnittstellen anbinden: Warenwirtschaft, Zahlungsanbieter, Versanddienstleister, Newsletter-Tool, Buchhaltung. Jede Schnittstelle wird einzeln getestet, bevor sie als erledigt gilt.
- Rechtstexte anpassen: AGB, Widerruf, Datenschutzerklärung und Impressum gehören auf das neue System zugeschnitten, nicht einfach kopiert. Gerade beim Datenschutz ändern sich mit der Plattform oft die Dienstleister im Hintergrund.
- Mail-Vorlagen einrichten: Bestellbestätigung, Versandbestätigung, Kundenkonto-Mails, Passwort-Reset. Diese Mails sieht jeder Kunde, und trotzdem werden sie bei fast jeder Migration zu spät angefasst.
Plane für diese Phase den größten Teil der Projektzeit ein. Aufbau und Design wirken nach außen wie der ganze Job, sind aber nur eine von acht Phasen. Die Versuchung ist groß, hier zu verweilen und am Design zu feilen, während Daten und SEO warten. Setze dir eine klare Abnahme und geh dann weiter.
Phase 4: Daten übernehmen und prüfen
Die Datenübernahme ist der Teil der Migration mit den meisten Stolperfallen, deshalb verdient sie besondere Sorgfalt. Wie du Produkte, Kunden und Bestellungen im Detail sauber umziehst, zeigt dir unser Artikel zur Datenübernahme bei der Shop-Migration. Für die Checkliste zählen diese vier Punkte:
- Mapping definieren: Lege fest, welches Feld im Altsystem zu welchem Feld im neuen System wird. Attribute, Varianten, Kundengruppen und Bestellstatus brauchen eine eindeutige Zuordnung, sonst rät später jemand.
- Testmigration fahren: Migriere zuerst in eine Testumgebung, niemals direkt ins Livesystem. Die erste Runde deckt fast immer Überraschungen auf, und genau dafür ist sie da.
- Abgleich machen: Vergleiche Stückzahlen und Stichproben: die Anzahl von Produkten, Kunden und Bestellungen in beiden Systemen, dazu einzelne Datensätze im Detail bis hin zu Umlauten und Sonderzeichen.
- Datenqualität nutzen: Der Umzug ist der beste Moment zum Aufräumen. Dubletten, Karteileichen und tote Kategorien müssen nicht mit ins neue Zuhause.
Phase 5: SEO-Vorbereitung
SEO wird vor dem Go-live vorbereitet, nicht danach repariert. Alles in dieser Phase passiert noch im Verborgenen, muss aber am Umzugstag fertig in der Schublade liegen. Die Hintergründe und die häufigsten Ranking-Fallen erklärt unser Beitrag zur Shop-Migration ohne Ranking-Verlust.
- URL-Mapping erstellen: Jede alte URL aus deinem Inventar bekommt ein neues Ziel. Jede. Auch Kategorien, Filterseiten und alte Blogartikel.
- 301-Redirects vorbereiten: Die Weiterleitungen werden technisch angelegt und getestet, aber noch nicht scharf geschaltet. Am Go-live-Tag ist dafür keine Zeit mehr.
- Meta-Daten übernehmen: Seitentitel und Descriptions der wichtigsten Seiten mitnehmen oder gezielt verbessern, statt sie vom neuen System automatisch erzeugen zu lassen.
- Strukturierte Daten prüfen: Product-, Breadcrumb- und Organization-Markup im neuen Shop kontrollieren. Viele Systeme liefern hier nur eine Basis, die Nacharbeit braucht.
- Sitemap vorbereiten: Die neue XML-Sitemap generieren und prüfen, damit sie am Go-live-Tag nur noch eingereicht werden muss.
Falls dir dieser Block zu technisch ist: Genau diese Punkte gehören zu den ersten, die du an einen Dienstleister abgibst. Wichtig ist nur, dass sie jemand nachweisbar verantwortet, bevor der Schalter umgelegt wird. Unerledigte Redirects fallen nicht am Go-live-Tag auf, sondern zwei Wochen später in den Rankings.
Phase 6: Testing
Getestet wird wie im echten Betrieb, nicht wie im Labor. Ein Klick durch die Startseite ist kein Test. Eine echte Bestellung mit echter Kreditkarte ist einer. Lass neben dir auch Leute testen, die den Shop nicht gebaut haben: Wer wochenlang am System gearbeitet hat, klickt automatisch die Wege, die funktionieren. Frische Augen finden die anderen.
- Testbestellungen mit echten Zahlarten: Bestelle mit Kreditkarte, PayPal, Rechnungskauf und allem, was du anbietest, jeweils mit kleinen Beträgen. Storno und Rückerstattung gleich mittesten.
- Mobil testen: Der komplette Kaufweg auf einem echten Smartphone, nicht nur in der verkleinerten Browser-Ansicht. Bei den meisten Shops kommt der Großteil der Besucher mobil.
- Mails prüfen: Kommen alle Systemmails an, landen sie im Posteingang statt im Spam, stimmen Absender, Logo und Inhalt?
- Ladezeit messen: Startseite, Kategorie, Produktseite und Checkout mit Blick auf die Core Web Vitals. Ein schöner neuer Shop, der langsamer ist als der alte, ist ein Rückschritt.
- Barrierefreiheit-Basics prüfen: Kontraste, Tastaturbedienung, Alt-Texte, Formular-Beschriftungen. Das ist keine Kür mehr, sondern Pflicht, und ganz nebenbei gut für die Conversion.
- Formulare durchklicken: Kontakt, Registrierung, Newsletter, Gutschein-Eingabe. Jedes Formular einmal absenden und prüfen, was wirklich ankommt.
Phase 7: Der Go-live-Tag
Der Go-live selbst ist unspektakulär, wenn die vorherigen Phasen sauber erledigt sind. Es ist das Abarbeiten vorbereiteter Schritte in fester Reihenfolge, kein Improvisationstheater. Lege den Termin auf einen umsatzschwachen Zeitpunkt und sorge dafür, dass alle Beteiligten an diesem Tag erreichbar sind.
| Schritt | Zweck | Wer |
|---|---|---|
| Vollständiges Backup des Altshops | Rückweg sichern, falls etwas schiefgeht | Dienstleister |
| Wartungsfenster aktivieren | Keine Bestellungen zwischen den Systemen verlieren | Betreiber und Dienstleister |
| Finalen Datenabgleich fahren | Bestellungen und Kunden der letzten Tage mitnehmen | Dienstleister |
| DNS auf den neuen Shop umstellen | Besucher landen ab jetzt im neuen System | Dienstleister |
| 301-Redirects scharf schalten | Alte URLs leiten sofort auf die neuen Ziele | Dienstleister |
| Testbestellung im Livesystem | Checkout und Zahlarten unter echten Bedingungen prüfen | Betreiber |
| Sitemap in der Search Console einreichen | Google die neue Struktur so früh wie möglich zeigen | Dienstleister |
| Monitoring beobachten | Fehler in den ersten Stunden sofort erkennen | Beide |
Die Reihenfolge ist wichtiger als die Uhrzeit: Backup vor allem anderen, Redirects unmittelbar mit der DNS-Umstellung, Testbestellung sofort danach. Und falls etwas Grundlegendes nicht funktioniert, ist das Backup dein Rückweg. Lieber kontrolliert zurückrollen als im Livesystem flicken.
Phase 8: Nach dem Go-live
Mit dem Go-live ist die Migration nicht vorbei, sie wechselt nur in die Beobachtungsphase. Die nächsten Wochen entscheiden, ob der Umzug wirklich gelungen ist.
- Search Console beobachten: Crawling-Fehler, Indexierungsstatus und Abdeckung täglich prüfen, in den ersten zwei Wochen besonders genau.
- 404-Fehler fixen: Jede auflaufende 404-Seite bekommt zeitnah eine Weiterleitung. Hier zeigt sich, ob dein URL-Mapping Lücken hatte.
- Rankings und Umsatz beobachten: Vergleiche die Entwicklung mit der Zeit vor dem Umzug. Kleine Schwankungen sind normal, ein anhaltender Abwärtstrend ist ein Alarmsignal.
- Team-Feedback einsammeln: Die Kollegen, die täglich Bestellungen abwickeln, finden Probleme, die kein Test entdeckt hat. Nimm dieses Feedback ernst und sammle es systematisch.
- Altshop erst nach Stabilisierung abschalten: Der alte Shop bleibt so lange offline im Hintergrund erhalten, bis Zahlen und Rankings stabil sind. Das dauert eher Wochen als Tage, und diese Geduld kostet nichts im Vergleich zu verlorenen Daten.
Wie lange die Beobachtung dauert, hängt von der Größe deines Shops ab. Eine brauchbare Faustregel: Erst wenn mehrere Wochen ohne neue Auffälligkeiten vergangen sind und die Zahlen wieder das Niveau von vorher erreicht haben, darfst du das Projekt innerlich abschließen und den Altshop endgültig in Rente schicken.
Fazit: Abhaken schlägt Hoffen
Eine Shop-Migration ist kein Hexenwerk, aber sie verzeiht keine Schlamperei. Diese Checkliste macht aus einem diffusen Großprojekt eine Folge überschaubarer Schritte, die du einzeln abhaken kannst. Die Phasen bauen aufeinander auf: Wer bei der Inventur schludert, zahlt bei den Daten drauf, und wer SEO auf später verschiebt, bezahlt mit Sichtbarkeit. Was in der Praxis am häufigsten schiefgeht und wie du es vermeidest, liest du in unserem Beitrag über die typischen Fehler bei der Shop-Migration.
Du willst die Liste nicht allein abarbeiten? Dann gehen wir sie gemeinsam durch: Melde dich bei uns für ein kostenloses Erstgespräch. Wir schauen uns deinen Shop an, sagen dir ehrlich, welche Punkte bei dir kritisch sind, und machen dir danach ein Festpreis-Angebot ohne Kleingedrucktes.